12.10.2021

 

Ich bin ein Schreiber. Also ich glaube, ich bin ein Schreiber.

Zumindest schreibe ich Songs seit vielen Jahren. Ich war 13, als ich meinen ersten Songtext schrieb. Das tat ich nicht allein, sondern mit einem guten Kindheitsfreund namens Yannik, der meine Familie und mich zum damaligen Zeitpunkt für einige Tage besuchte, denn Yannik war nicht aus Hamburg. Wir kannten uns vom Campingplatz am Lensterstrand in der Nähe von Grömitz. Zu viel Information, ich weiß. Shoutout an Yannik! Ich hoffe, dir geht’s gut, Diggi! Jedenfalls schrieben Yannik und ich abends diesen Songtext. „Baby, ich denk an dich. Egal, was ich tu. Ich denk an dich. Du lässt mir keine Ruh. Ich mein es Ernst. Verarsch dich nicht. Oh Baby, ich denk an dich.“ Geil, oder? Dachte hier jemand, Justin Bieber war der erste 13-Jährige, der über Liebe sang? PUSTEKUCHEN DIGGA! Das waren meine ersten Liedzeilen.

Heute schreibe ich noch immer Songs. Aber ich schreibe auch Spoken Words oder Poems oder Gedichte oder wie man sie auch immer nennen will. Mir gefällt Spoken Word am besten. Klingt so präzise. Ich spreche ja Worte. Mein erstes Spoken Word schrieb ich am 19. Oktober 2016, also vor fast genau 5 Jahren. Wieso ich den genauen Tag noch weiß? Weil es sich bei diesem Datum um den Tag vor dem bis dato wichtigsten Tag meines (musikalischen) Lebens handelte. Am 20. Oktober 2016 spielte ich mit meiner Band das Releasekonzert zu meiner damaligen EP „DREI“ im Stage Club in Hamburg. Wir hatten sehr lange und sehr viel geprobt für diesen Abend. Die Produktion der EP, das Organisieren des Konzerts und der CD-Pressungen (ja, ich hab fucking 1000 CDs pressen lassen zu einer Zeit, in der es Spotify schon gab und bunker‘ so um die 700 davon heute in meinem Keller) sowie das in die Wege leiten der rechtzeitigen Ankunft der größten norddeutschen Fehlinvestition seit Heiko Westermann – aka der CDs -, hatten mich einem Stresslevel nahegebracht, welches mir neu war. Die Ironie des Abends war schlussendlich die, dass sich gefühlt 90% des Feedbacks, das ich erhielt, gar nicht auf unser perfekt einstudiertes Liedrepertoire bezog. An diesem Abend performte ich nämlich zum allerersten Mal ein Spoken Word auf einer Bühne. Der Titel lautete „Sorgen“ und ich hatte diesen handgeschriebenen Text, den ich dem Publikum vorlas, keine 24 Stunden zuvor aufs Blatt gebracht. Es waren die MIT ABSTAND nervösesten Momente des Abends für mich. Und die besten. Der Applaus nach diesen ca. eineinhalb Minuten ist der bis heute vermutlich schönste und echteste, den ich je erhalten hab. Und trotzdem war es ja immer noch ein Konzert, wo die Musik im Vordergrund stehen sollte. Insofern fühlte ich mich von den Lobeshymnen über mein Spoken Word zwar geschmeichelt, aber irritiert war ich eben auch, weil fast keiner was zu den Songs sagte. Ich erinnere mich, wie meine gute Freundin Naomi nach dem Konzert zu mir kam und ebenfalls voll des Lobes über mein Spoken Word war. Also fragte ich sie auf ironische Art und Weise (aber ich meinte Ernst, Brudi), wieso alle nur was zu meinem Spoken Word sagen und sich fast niemand zu den Songs äußert. Ihre Antwort sollte vieles für mich und dadurch auch meine Kunst verändern (danke Naomi!). Sie sagte: „Weißt du. Dass du ein krasser Sänger bist, wussten ja alle. Aber, dass du so schreiben kannst. Wow.“ Das Prinzip der Selbst- und Fremdwahrnehmung. In meiner Wahrnehmung war ich immer ein Schreiber, der halt auch so ein bisschen singen kann. In den Augen anderer war ich ein Sänger, der halt seine Texte schreibt. Und mir wurde erst da so richtig klar, dass Spoken Words eine richtig gute Ergänzung zu meiner Musik sein können. Denn da gibt’s keinen Gesang und keine Instrumente, sondern nur Text und Inhalte. Spoken Words sind freier als Songtexte, weil sie keine Kompromisse eingehen müssen. Und ich gehe eh ungern Kompromisse ein. Erst recht nicht beim Schreiben.

Also ja, ich glaube, ich bin ein Schreiber. Ein „kreativer Schreiber“ vielleicht. Oder ist es anmaßend von mir, mich selbst als kreativ zu bezeichnen? Nee, nee. Hand aufs Herz. Ich bin schon ein bisschen kreativ. Glaube ich. Und weil ich das glaube, schreibe ich ab sofort einmal wöchentlich diesen Blog. Vielleicht entdecke ich dadurch ja wieder eine neue Art des Schreibens für mich, die mir bislang fremd war. Worum es gehen wird? I DON’T KNOW YET! Mal künstlerische, mal politisch-gesellschaftliche, mal sinnstiftende (wieder anmaßend), mal sinnfreie (bin wieder bodenständig) Themen.

Bis nächste Woche dann.

Daniel aka chiller-daniel@hotmail.de (MSN-Generation versteht)