15.06.2022

„(…) ich schätz‘ ich wollt‘ mir lang nicht eingestehen, dass jemand Spuren hinterließ. Und ich dachte, es bringt wenig, wenn ich trockene Blumen im Winter gieß. Doch bist du nicht da, fühl ich mich einsam. Egal wie oft ich mir sag, dass es nicht sein kann. Ich wüsst‘ nur so gern, was ich tun muss, damit ich es mehr genieß (…)“

Mit ’nem doppelten Espresso Macchiato in der Hand und meinem neuesten Beat auf den Ohren begrüße ich euch süßen Lesemäuse (Leseratten klingt irgendwie so beleidigend) zur heutigen Ausgabe meines wöchentlich erscheinenden schriftlichen Monologs. #einensatzaufüberdreizeilenstreckenkannich

Tatsächlich muss ich den heutigen Post mit einer Ankündigung beginnen. Die nächsten zwei Wochen werde ich nämlich auf einer Art Workshop verweilen. Es geht dabei um eine Songtexter Masterclass, die in der Form einmalig in Deutschland ist und dieses Jahr hatte ich das Glück, einen der nur 10 Plätze zu erhalten. Ob ich stolz bin? Schon ein kleines bisschen. Hihihi.
Jedenfalls verbringe ich dort dann etwas mehr als zwei Wochen und möchte ungern versprechen, euch in dieser Zeit zu bespaßen zu können. Wenn sich die Möglichkeit wider Erwarten doch ergeben sollte, erfahrt ihr es, indem ihr… naja, indem ihr den Blog lest. Ein Mitschüler mit Gehfehler erzählte mir mal was über das Leben und Pralinenschachteln und so.

Kennt ihr eigentlich den Song „Hair Down“ von SiR und Kendrick Lamar? Er war einer meiner absoluten Lieblingstracks des Jahres 2019. Gestern bin ich nach längerem mal wieder über ihn gestolpert und habe mich direkt wieder in eine ganz spezifische Line verliebt: „You don’t wanna see me on a good day, you don’t wanna see me on a bad day“.
Liest sich für einige jetzt vermutlich sehr unspektakulär. Ich war aber schon beim allerersten Hören von dieser Zeile verzaubert. Ich glaub, Kids heutzutage würden sagen, ich habe dazu relaten können. Denn das konnte ich und kann ich heute noch.

An einem guten Tag fühle ich mich unendlich stark und selbstbewusst. So als könnte ich es mit jedem aufnehmen und sich lieber niemand trauen sollte, sich mit mir zu messen. Breite Brust, dies das.
An einem schlechten Tag fühle ich mich wie ein Stück Scheiße (sorry für den Kraftausdruck, aber Authentizität hat Priorität). Da bin ich zu nichts zu gebrauchen und einfach niemand, der einen positiven Beitrag zur Lebensqualität anderer leisten könnte.
Beides ist sicherlich ein wenig überspitzt formuliert, aber im Kern sehr passend zu meinem Innenleben in gewissen Phasen.

Irgendwie glaub ich, das kennen viele. Zumindest den zweiten Fall. Vielleicht seid ihr aber auch einfach schlechte Menschen.
Okay, ich werde wieder zu offensiv. Sorry.

However bin ich immer wieder aufs Neue fasziniert, was Musik bzw. Kunst kann. Die Tatsache, dass eine Person, die du nicht kennst, es schafft, Worte zu finden, die aus deinem Mund kommen könnten. Worte, die deine Situation oder Empfinden perfekt beschreiben und gewählt worden, von einem Menschen, den du nie getroffen hast. Ich bin absolut überzeugt von der Individualität jedes einzelnen Menschen und gleichzeitig sehe ich – vielleicht gerade deshalb – einen großen Zauber, in kollektiven Wahrnehmungen und Empfindungen.
Womöglich habe ich auch unter anderem deshalb mit dem Schreiben begonnen. Weil ich das Bedürfnis hatte, eventuell einem fremden Menschen das Gefühl vermitteln zu können, ihn zu verstehen. Voll kitschig, aber ist halt so. Jeder Schreiber kann bestätigen, dass eines der schönsten Komplimente ist, wenn jemand sagt, man hätte seine Gedanken oder seine Gefühle so perfekt formuliert, wie die Person es selbst nicht könnte.

Ich wünsche mir wirklich vom Herzen, den einen oder anderen von euch berühren zu können, mit dem, was euch in Zukunft von mir erwartet. Wenn nicht, bin ich auch okay mit der Rolle des einsamen Wolfs. Hihihi.

Also dann bis nächste Woche. Oder in drei Wochen. Oder in zwei, falls die zweite Woche dort entspannter sein sollte als die. Wer weiß. So viele Fragezeichen. Kann jemand relaten? Tschüsikowski!

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08.06.2022

„(…) schon früh erkannt, was es heißt, wenn man nicht dazuzählt. Scheiß Gefühl, wenn einen diese Wut quält. Weil sie sagen: ‚Es sollte anders sein.‘ Fragen: ‚Wie kann das sein?‘ Als ob es mir nicht zusteht. Zu sein, was nur wenige sind. Ein sehr helles halbschwarzes Kind. Das vermutet, es sei adoptiert und seine Eltern fragt ob das stimmt (…)“

Hallo Freunde, hallo Frühsommer. Sonne ist schon was feines, nicht wahr?
Dazu ein bisschen über 20 Grad. Ich bin ja kurz davor mein nicht existierendes Angelzeug einzupacken und an irgendeinen See zu fahren. Spaß. Das Weiße in meinen Genen ist vielleicht präsent, wenn es um meinen Teint geht, aber sicher nicht bei meinen Hobbys.

Problematischer Einstieg: Check!

Ich weiß, für manche sind solche Sätze direkt drüber, aber ich empfinde grenzwertigen Humor ab dem Punkt angemessen, wo es eine offensichtliche Metaebene gibt.
Für diejenigen, die mich weder persönlich noch meinen Song „Wie ich bin“ (Textauszug oben ist aus dem Song) besonders gut kennen, erläutere ich den Kontext gern.
BTW: Der Song ist einzig und allein auf der CD (!) von meiner EP „DREI“ zu finden. Bei Interesse könnt ihr mir weiterhin gern eine Mail an mail@daniel-abozen.de schreiben.

In meiner Kindheit und Jugend spielte die Tatsache, dass ich für eine Mixed Person (in meinem Fall mit schwarzem Vater und weißer Mutter) so helle Haut hatte, eine sehr große Rolle. Im negativen Sinne. Ich fand es unfassbar schlimm, so hell zu sein. Klingt jetzt für einige vermutlich nach einem absoluten First World Problem und womöglich war es das auch. Aber für einen jungen Menschen spielt die Identität eine große Rolle. Aufgrund meines Aussehens wurde mir stets eine Identität zugeschrieben, die nicht meine war. Die Leute hielten mich für einen Jungen arabischer oder türkischer oder portugiesischer Abstammung. Aber wenn auf die allseits beliebte Frage „Woher kommst du WIRKLICH?“ meine Antwort lautete „mein Vater ist aus Äthiopien.“ gab es immer verwunderte Blicke und mir wurde oft gar nicht richtig geglaubt.

Dazu sollte erwähnt sein, dass ich einen älteren Bruder habe, der dem „klassischen halbschwarzen Bild“, wenn man es so nennen will, deutlich mehr entspricht. Er wird und wurde immer schwarz gelesen. Ich nicht. Und ooooohhh boy, ich wollte so gern auch schwarz gelesen werden.

Auch dieser letzte Satz mutet einigen jetzt eventuell wieder problematisch an.
Ich bin nicht blind und taub. Selbstverständlich ist mir bewusst, wo wir leben und dass ich zwangsläufig Privilegien habe und hatte, die mein Bruder aufgrund seiner dunkleren Haut nicht hat und hatte. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass mir bspw. immer in Momenten, wo ich mit antischwarzem Rassismus konfrontiert wurde, gewissermaßen das Recht abgesprochen wurde, mich beleidigt und verletzt zu fühlen. „Du bist doch nicht mal richtig schwarz.“ Dieser Satz, ey.

Da beleidigt mich irgendein Mirko mit dem N-Wort oder sonstigem und die anderen Hohlbratzen sagen mir, ich kann davon nicht angegriffen sein, weil die dominant-rezessive Vererbung in meinem Fall ungewöhnlich verlief. #bioffünminusausgründen

Also ja. Ich wollte gern OFFENSICHTLICH schwarz sein. Weil ich mich absolut schwarz fühlte, weil ich es ja auch war… falls ihr irgendwie versteht, was ich meine.

Heute bin (meistens) entspannter. Nicht, weil ich plötzlich weniger sensibel geworden bin. Eher, weil ich verstanden hab, dass meine Wurzeln, meine Herkunft ja sowieso Dinge sind, die ich IN mir trage. Ob sie ein Mirko jetzt sehen kann/will oder nicht.
Aber es gibt selbstverständlich immer noch Trigger-Momente für mich. Ein ganz typischer ist z.B. bis zum heutigen Tag, wenn ich bei irgendeinem Event als „Pop“ gelistet werde. Denn ICH BIN KEIN POP!
Ja, ich weiß. Mittlerweile sind wir als Gesellschaft gebildet genug, um zu wissen, dass nahezu jeder Musikstil ursprünglich von Schwarzen Artists kommt. Aber „meine“ Genres – Soul, R&B – sind nun einmal unumstritten das, was JEDER unter Schwarzer Musik versteht. Und wenn mir irgendwer ein anderes Genre andichtet, fühle ich mich direkt so, als würde man mir auch auf dieser Ebene mein Schwarzsein wieder absprechen. Und dann wird der Bruder hier unangenehm.

Dieses Thema ist für mich ein super großes, komplexes und schwierig in so ein paar Sätzen wiederzugeben.
Da ich mich gerade in so einer Art finalen Phase des Schreibprozesses fürs Album befinde, hielt ich es aber für sinnvoll, an dieser Stelle zumindest schon mal Teile von dem anzuteasern, was euch auf den Songs und in den Texten erwarten könnte.

Das hier tat gerade gut. Danke fürs Lesen!
Bis nächste Woche <3

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01.06.2022

„(…) wir vertrauen nur noch selten bis nie. Das Gerüst ist so fragil, doch es hält irgendwie (…)“

Erster Juni, ich schau aus dem Fenster und denke mir „mein lieber Scholli“ um es mit den Worten meiner Oma zu sagen. Aber Stop! Wir arbeiten uns hier jetzt nicht am schlechten Wetter, welches definitiv nicht nach Frühsommer aussieht, ab. Nein, ich werde zunächst von etwas schönem berichten. Diejenigen, die den Blog von letzter Woche gelesen haben, dürften schon ahnen, worum es geht: Trevor Noah.

Ohne jetzt inhaltlich ins Detail zu gehen, kann ich nur sagen, wie sehr mich seine Performance letzte Woche in Kopenhagen nochmal in der Annahme bestärkt hat, dass dieser Mann nicht nur einer der besten Comedians, sondern auch wichtigsten Stimmen unserer Zeit ist (oder sein sollte).
Ich bin, wie ich bereits an dieser Stelle erwähnte, faszniniert von seiner Biografie und Fan seines Humors. Was mir an diesem vergangenen Dienstagabend aber ebenfalls auffiel, war meine Bewunderung für sein Können darin, Menschen, Situationen und Umstände zu beobachten und zu analysieren.

Ich glaub, am meisten daran gefallen hat mir, dass ich einigen seiner Analysen und Interpretationen gar nicht zustimmen würde und sie dennoch absolut respektieren kann und sogar größtenteils verstehe, woher sie kommen. Oft habe ich den Eindruck, uns als Gesellschaft fehlt immer häufiger die Bereitschaft, sich andere Eindrücke, Wahrnehmungen und vielleicht auch Meinungen anzuhören. Wir wollen nur den Beiträgen Aufmerksamkeit schenken, die uns in unserer Sichtweise bestätigen. Und nein, ich ziele diesmal nicht auf das Thema Cancel Culture ab, sondern aufs Thema Komfortzone. Wenn du dich bewusst nur mit Inhalten (und Menschen) auseinandersetzt, die dir in deinem Blick auf die Dinge beipflichten, dann ist das für mich ein klassisches Verhalten von Vermeidung dorthin zu gehen „wo es weh tut“. Das würde ich natürlich nicht in Bezug auf jedes Thema so sehen, aber eben häufig.

Um (ohne spoilern zu wollen) einen konkreten Punkt zu erwähnen:
Trevor riss einige Witze über das Verhalten einiger Menschen während der Pandemie. Ich stimme seinen Beobachtungen nicht wirklich zu. Ich hab da einfach eine andere Auffassung von. Und trotzdem konnte ich über die Witze lachen. Ich konnte nachvollziehen „woher er kommt“ und darauf basierend, die Grundlage des Jokes verstehen. Zustimmen tu ich bloß nicht, weil ich die Situation anders bewerte.

Bevor hier ein Missverständnis aufkommt: ALLES hat seine Grenzen! Wenn es um Belange geht, die nicht verhandelbar sind (z.B. in puncto Rassismus), dann gibt’s da nichts zu tolerieren.
Aber die Pandemie – bzw. der Umgang der Leute damit – ist in meinen Augen nichts, worüber man nicht auch diskutieren und streiten dürfen sollte. Und wenn nach dem Austausch aller Argumente immer noch kein Konsens besteht, sollte das auch in Ordnung sein und uns nicht die Grundlage entziehen können, einander weiterhin zu schätzen oder zu mögen.
Insofern SÄNK JU TREVOR! JU AH ÄMEYSING!

Zu guter Letzt habe ich noch eine (zumindest für ca. 30 monatliche Zuhörerinnen und Zuhörer auf Spotify) schlechte Nachricht zu überbringen. Mein bisheriger Digitalvertrieb Spinnup ändert ab Juli sein Geschäftsmodell, was zur Folge hat, dass meine Musik in Zukunft von einem anderen Distributor in die Streaming-Stores versandt wird.
Jetzt fragt ihr euch natürlich „warum erzählst du uns das?“
Weil ich denke, dass dieser Moment, der richtige ist, um meine EP „DREI“ von 2017 von sämtlichen Plattformen zu entfernen. Diejenigen, die mich gut kennen, wissen, dass mir diese Veröffentlichung seit längerem ein kleiner Dorn im Auge ist. Sie ist einfach nicht mehr repräsentativ und es ist für mein Gefühl an der Zeit, dieses Kapitel abzuschließen. Außerdem ist ja ohnehin ein Album in Arbeit!
Kleiner Sidefact dazu: Ich habe diese EP (inklusive eines Zusatztracks, der im Netz nicht existiert) weiterhin als CD auf Lager. Wenn also unter euch Leute sein sollten, die Lust auf einen semi-gut singenden Daniel in Form einer Compact Disc haben, schreibt mir gern an mail@daniel-abozen.de und für 8€ zzgl. Versand könnt ihr eine erwerben. Dann dürfte euch das Fehlen auf Spotify auch nicht mehr sonderlich stören, höhöhö!

Bis 19. Juli aka JULEI könnt ihr „DREI“ noch überall streamen und downloaden.
Danach gibt’s dann bis Album-Release nur noch „4 Wände“ und „Nicht gewusst“ zu pumpen.

An dieser Stelle nochmal ganz viel Liebe und ein dickes Danke an all diejenigen, die diesen Weg seit so vielen Jahren schon mitbegleiten. Ich schätze, die zurückgelegten Schritte sind in manchen Fällen erst auf den zweiten Blick erkennbar. Ich sehe sie gelegentlich. Ich hoffe, ihr auch.

Peace!

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24.05.2022

„(…) seit längerem stell ich mir die Frage, ob ich dich noch erreiche. Du bist zwar immer noch derselbe, aber nicht mehr der gleiche (…)“

Leute, Premiere! Denn erstmalig schreibe ich diesen Blog nicht vom heimischen Schreibtisch oder Sofa aus, sondern on the road. In diesem Moment befinde ich mich im so mittelmäßig ausgelasteten Flixbus Richtung Kopenhagen oder wie ich es nenne: „Stadt der nettesten weißen Menschen der Welt“.
Die Sitz- und zugleich Schreibposition würde ich gerade als suboptimal bezeichnen.

Ihr fragt euch jetzt womöglich, was ich dort mache. Vielleicht auch nicht. Ich sag es euch trotzdem. Ich werde heute Abend das erste Mal eine Show von einem meiner Lieblingskünstler überhaupt sehen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Musiker, sondern einen Comedian. Leute… heute Abend sehe ich Trevor Noah live! Den Menschen, dessen Biografie „Born A Crime“ das erste Buch war, das ich freiwillig gelesen habe in meinem Leben. Ein unfassbar beeindruckender Mensch mit unglaublicher Lebensgeschichte. Absolute Leseempfehlung von meiner Seite!

Also hier sitze ich mit Tablet und zugehöriger Tastatur auf meinem Schoß. Unwissend darüber, ob ich nach dieser Fahrt noch in der Lage dazu bin, mich fortzupflanzen #strahlunggegengenitalbereich
Diese ausklappbaren Tische sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, obwohl sie nie was waren.

Kleiner Sidefact: Während der Tage in Kopenhagen ist auch ein kleiner Tagestrip nach Malmö angedacht. Sollte der stattfinden, hätte ich innerhalb von 5 Tagen ganze 4 Länder betreten, da ich am vergangenen Wochenende auf einer wunderschönen Hochzeit in Polen weilte. Bin schon ein unwahrscheinlich cooler Typ, wa?
Hinzu kommt, dass Schweden auf meiner Liste der bereisten Länder dann die Nummer 20 bedeuten würde. Ich hoffe, die Zahl meiner bereisten Länder wird in absehbarer Zeit höher sein als die Zahl meines Alters. Aber das dürfte machbar sein.

Leider habe ich gerade echt nicht mehr viel zu berichten und die Bussituation hier geht mir ein wenig auf die Nerven.
Nächste Woche melde ich mich dann wieder mit mehr Gedanken und eventuell ein paar Eindrücken vom heutigen Abend. AAAAAHHHH, ich bin aufgeregt!

Tschüssikowski!

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18.05.2022

„(…) und natürlich liegt es nicht nur an mir. Es liegt aber in meiner Hand, das Beste draus zu machen und immer wieder neu zu definieren, was das Beste ist. Started from the bottom still I’m here. Doch ich werde, was ich tu, niemals daran messen, ob es Fußabdrücke hinterlässt im Biz (…)“

Es ist wieder ein Mittwoch geworden. Insofern ist dies nun offiziell ein „Dienstags-oder-Mittwochs-Blog“.

Ich steige diesmal ohne viel Gerede ein in das, was ich mitteilen möchte.
Musik und generell das Schreiben, Kunst, ist das größte Geschenk in meinem Leben. Es gibt für mich schlicht und einfach keine größere Magie, als das Gefühl, endlich eine Zeile so beendet zu haben, dass sie das aussagt, was ich vorhatte mit ihr auszusagen. Dieser Moment, wenn ich endlich die richtigen Worte aufs Papier bringen konnte, ist unfassbar befreiend und beflügelnd. Gleiches gilt das Finden dieses einen fehlenden perfekten Akkords oder dem Neusetzen der Kick an den optimalen Spot (Musiknerd-Talk).
Und ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich aktuell viele dieser Momente erleben darf.

Gewissermaßen war es natürlich immer ein großer Traum von mir, irgendwann ein Album machen zu können. Nun bin ich seit einigen Monaten dabei. Ein noch größerer Traum von mir war, dass meine Musik irgendwann genau so klingt, wie ich möchte, dass sie klingt. Hört sich so logisch und selbstverständlich an. Aber wenn ich an all die Jahre zurückdenke, in denen wir in Proberäumen saßen und ich verzweifelt probierte mit WORTEN zu erklären, wie ich mir den Sound der Songs vorstelle, an denen wir arbeiteten… puuuh… da bin ich einfach brutal froh, dass ich mir Ende 2018 mein kleines Studio-Equipment zusammen kaufte und damit den vielleicht wichtigsten Schritt meiner bisherigen „Laufbahn“ setzte.
Denn ab da hatte ich keine Ausreden mehr dafür, wenn meine Musik nicht so klang, wie ich sie hören wollte. Plötzlich hatte ich alles selbst in der Hand, um zumindest die Grundlage für jeden Song selbst zu schaffen.

Nein, ich spielte und spiele bis heute kein Instrument so richtig. Ich hatte in puncto Producing nicht den Hauch einer Ahnung und selbst bis zu diesem Tage bin ich meilenweit davon entfernt, ein krasser Beatmaker zu sein. Aber es kommen nicht wie früher nur Text und Melodie von mir, sondern auch die Akkorde und die ersten Beatskizzen baue ich alleine. Für dieses „Skillset“ hätte ich vor 4 oder 5 Jahren vermutlich noch getötet.
Denn ihr denkt euch vielleicht, das alles klingt nicht so besonders und für andere ist es das wahrscheinlich auch nicht, weil sie diese Sachen wesentlich früher gelernt haben #shameonme
Doch für mich hat es die Welt verändert und mittlerweile sitze ich nicht mehr im Studio und habe das Gefühl, einen Kompromiss mit jemanden eingehen zu müssen, da ich meine Soundvision tatsächlich zeigen kann und nicht mehr erklären muss. Selbst für jemanden, der Worte so liebt wie ich und sich gern den ganzen Tag mit ihnen auseinandersetzt, ist es letztendlich unmöglich, Musik mit Worten zu beschreiben.

Ich weiß, ich hatte vor einigen Wochen schon mal einen Beitrag hier verfasst, in dem ich über meinen Prozess und meinen Umgang mit mir und meiner Kunst berichtete. Insofern knüpft der Text heute sicher in einigen Punkten daran an. Wollte es bloß sozusagen für euch dokumentieren und hoffe, ihr freut euch eventuell sogar ein bisschen auf das, was in Zukunft kommt.

Ich glaub, da spricht auch gerade ganz viel Liebe aus mir, weil ich gestern endlich so richtig smoothe Gospel-Chords für ’nen neuen Song gefunden hab. Das hat mich voll euphorisch gemacht. Ein eigener Gospel-Song. Noch so ein klitzekleiner Traum, den ich mir gerade erfülle.

Peace out und genießt das schöne Wetter!

P.S.: Beim nächsten Blog erläutere ich mal ausführlich, weshalb es für mich nochmal besonders wichtig war/ist, dass meine Musik nach MIR klingt.

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11.05.2022

„(…) damals machtest du mich heiß, doch heute lässt du mich kalt. Gewissermaßen sind wir noch jung, aber dafür schon zu alt. Du redest von ein bisschen Spaß, dabei sehnst du dich nach Halt. Und weil du hoffst, dass ich mich melde, sagst du lächelnd nur ‚bis bald‘ (…)“

Vielleicht sollte ich diesen Blog auch offiziell nicht mehr als Dienstags-, sondern Dienstags-oder-Mittwochs-Projekt bezeichnen. Auf Dauer mache ich mich ja unglaubwürdig, wenn ich in gewisser Regelmäßigkeit erst einen Tag später meinen Senf zu irgendeinem x-beliebigen Thema dazugebe.

In diesem Sinne: Willkommen!

Angelehnt an die neueste Episode von „Gemischtes Hack“, würde ich gern mit einer Frage starten:
Meint ihr, Jugendliche schwänzen an Orten, wo das Wetter das ganze Jahr über super ist, häufiger die Schule?
Klingt dumm, aber ich frage mich das jetzt wirklich.
Felix Lobrecht sprach in der Ausgabe von seiner Schulzeit und davon, wie oft er die Schule als Teeny schwänzte, allerdings nicht vorm frühen Nachmittag nach Hause konnte, weil sein Vater Zuhause war. Und er sagte auch, dass er dann nach dem Vormittag mit „scheiß Wetter“ nach Hause kam und einfach behauptete, es seien mehrere Schulstunden ausgefallen.
Daher meine Frage: Schwänzen die Kids in Honolulu noch mehr, weil sie sich im Normalfall den gesamten Tag über draußen aufhalten und Spaß haben können?

Irrelevanter Einstieg: Check!

Ich hatte vor einigen Tagen ein sehr schönes Gespräch mit jemandem über meine (einstigen) Idole und wie sich mein Bezug zu ihnen in den Jahren verändert hat. Kennt ihr das, wenn ihr mit einer Person über etwas sprecht, worüber ihr selbst nie konkret nachgedacht habt und während der Konversation anfangt, Dinge zu realisieren? Das war exakt der Fall für in diesem Gespräch und auf eine seltsame Art und Weise irgendwie schön, weil ich meinen eigenen „Growth“ auf einer gewissen Ebene erkennen konnte.

Ich sprach (gefühlt) zum ersten Mal ausführlich über insbesondere Künstler wie Brian McKnight und Craig David, die ziemlich sicher meine persönlich größten musikalischen Vorbilder waren. Diese zwei Künstler im speziellen hatten einen wahnsinnigen Einfluss auf alles, was ich damals sein wollte und vermutlich auch auf Teile von dem, was ich heute bin.

Meine Liebe zu Balladen und Slow Jams bekam durch Brian McKnight ab einem gewissen Zeitpunkt ein Gesicht. Dieser Mann sang (und singt!) alles und jeden an die Wand. Shit, der Typ konnte Töne treffen, die mich an seinem Menschsein zweifeln ließen. Wenn man in einem Land wie Deutschland aufwächst, ist man zwangsläufig mit relativ wenig R&B sozialisiert. Hier kannte man so ein paar Leute wie R.Kelly oder Usher. Aber Brian, Eric Benet, Joe Thomas oder Tank waren nur Insidern ein Begriff. Insofern verkörperte Brian McKnight Dinge, die ich auf Viva und MTV hierzulande selten bis nie repräsentiert sah. Vor allem aber Dinge, die mich berührten und die ich auch beherrschen wollte. Diese Range, diese Runs, diese Kontrolle über die Stimme, diese Sounds, die bei mir immer einen Nerv trafen.

Bei Craig David war es anders und zugleich ähnlich. Craig erschien mir weniger außerirdisch als Sänger. Aber sein Songwriting, sein Flow, sein eigener smoother Stil. Bis heute würde ich sagen, der Song „Don’t Love You No More“ von Craig ist der wahrscheinlich wichtigste Song meines Lebens gewesen. Nachdem ich diesen Song hörte, wollte ich Songs schreiben. Und ich wollte SO schreiben können. Also schrieb ich 30 Millionen (exakt so viele!) Songtexte übers Verlassen werden. Als 13 Jähriger versteht sich. Ich hatte damals so eine Mappe mit ausgedruckten Songtexten von mir in meinem Kinderzimmer, die mein Vater irgendwann fand und mich immer wieder fragte, woher ich als pubertärer Bursche so viel über die Liebe wüsste. Wusste ich nicht. Im Grunde genommen übersetzte ich sinngemäß einfach alles, was ich den ganzen Tag auf meiner CD-Anlage hörte, ins Deutsche.
Craig ist übrigens auch Schuld daran, dass ich bis heute so flowlastig schreibe und singe. Das ist anscheinend in meine DNA übergegangen. Im Gegensatz zu früher probiere ich mittlerweile nicht mehr, über Silben zu stolpern und die Wörter phonetisch sinnvoller zu wählen. Stichwort: HANDWERK.

Also ja. Ich wollte singen können wie Brian und schreiben können wie Craig. Und nun ja. Die meisten von euch kennen zumindest ein bisschen Musik von mir und würden mir zustimmen, wenn ich sage, dass ich definitiv nicht singen kann wie Brian McKnight und Craig David sich von mir stilistisch mittlerweile fast so sehr unterscheidet wie Rammstein. Ja, das war übertrieben, aber ich mag echt kein House!

Den vorhin erwähnten „Growth“ sehe ich nicht in meiner Erkenntnis, diesen Weltklasse-Künstlern nie das Wasser reichen zu können. Ich sehe ihn in meiner Entwicklung, dieses Bestreben nicht mehr zu haben, wenn ich mich mit meinem Textheft ans Keyboard setze. Ich eifere ihnen nicht mehr nach.
Ich schreibe einfach mein Zeug und erkenne im Nachhinein (!) gelegentlich Nuancen meiner einstigen Idole in meiner Kunst. Und dieses Gefühl ist dann wunderschön, weil ich dann den Eindruck hab, meine Wurzeln nicht zu vergessen, während ich versuche, eigene zu schlagen.

Zum Abschluss noch die Empfehlung an alle R&B-Fans sich die Alben „Ten“ von Brian McKnight und „The Story Goes…“ von Craig David in Ruhe und gern auch mehrmals anzuhören.

Liebe euch und „MY LOVE DON’T STOOOOP“!
Das Zitat versteht ihr nur, nachdem ihr die Alben gehört habt <3

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03.05.2022

„(…) ich hörte oft, ich könnt‘ nicht ändern, wie es auf der Welt läuft. Doch man bleibt so lang gefangen, bis man irgendwann ausbricht. Ich lief häufig im Kreis umher, aufzuhören scheint oft schwer. Ich wollte, euch gefallen, bis ich merkte, ich brauch’s nicht (…)“

Was’n hier los, ey?! Der Mai ist da und ich hab keinen Plan, was ich davon halten soll, weil ich prinzipiell keine sonderlich hohe Meinung von Monaten mit einsilbigen Namen hab.
Ich weiß doch auch nicht, was ich da rede. Bin müde, hab Muskelkater und zu viel Pasta im System.

Während meines äußerst harten Trainings gestern, welches mein Ich vor zwei Jahren vermutlich als „joa, ist okay“-Training bezeichnen würde, wurde ich von der Musik, die im Gym lief, abgelenkt. Ihr müsst wissen, ich höre selbst keine Musik beim Trainieren, weil ich mich dann zu sehr anfange, auf die Songs zu konzentrieren. Deshalb höre ich mittlerweile Podcasts. Und jeder von euch gerade so: „HÄÄÄÄÄ?!“
Doch ich bin nicht hier, um mich zu rechtfertigen, also akzeptiert mich als das sonderbare Wesen, das ich bin!

JEDENFALLS. Der Song, der mich ablenkte war „Ayo Technology“ von 50 Cent und Justin Timberlake. Der lief dort laut durch die Boxen und katapultierte mich zurück ins Jahr 2007, als ich mit großem Afro und rotem Jogginganzug (Gott weiß warum) mit den Jungs über den Schulhof spazierte. Ich glaub, das war in etwa die Zeit, als Poker plötzlich so ein Ding wurde bei jungen Typen. Erinnert ihr euch daran? Als auf einmal echt JEDER gepokert hat? Yo, ich war der einzige Dude, der es nicht konnte!
Ich hab einige Unterhaltungen noch richtig vor Augen.
Gruppe von Jungs steht rum und spricht übers nächste Wochenende:
„Freitag Abend Poker?“
„Ja, normal.“
„Ah, shit. Daniel kann doch gar nicht pokern.“
„Bro, du kannst nicht pokern?“
„Nein.“
„Krass.“
DEINE MUTTER IST KRASS! Was war da auf einmal los mit euch allen?!

Ich hab mich ja wirklich selten für etwas geschämt als Teenager, aber irgendwann kam selbst bei mir der Punkt, an dem ich richtige Minderwertigkeitskomplexe entwickelte, aufgrund dieser Thematik. Erst recht als dann noch diese ganzen Poker-Events im Fernsehen übertragen wurden und ich scheinbar endgültig der einzige Mensch auf dieser Welt war, der dieses Spiel nicht beherrschte.
Gott segnete mich glücklicherweise jedoch mit mehr Faulheit als Ego, was heißt, dass ich selbstverständlich bis zum heutigen Tage nicht weiß wie Pokern geht. Aber allem Anschein nach, interessiert das 2022 auch kaum jemanden mehr. Zumindest bekomme ich nichts davon mit. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur nicht eingeladen zu diesen Abenden.
Sollte dies der Fall sein und all ihr Menschen zwischen Ende 20 und Mitte 30 euch jedes Wochenende ohne mich treffen, will ich euch gesagt haben, dass ich nach wie vor keine Lesebrille bei Schriftgröße 12 benötige und nachts nicht aufstehen muss, um aufs Klo zu gehen, weil meine Blase seit 1991 so belastbar wie die eines Kamels ist!
TJA! Auf einmal ist Pokern doch nicht mehr so cool, was?!

Vielleicht hat diese Zeit doch ein paar Spuren hinterlassen.
Euch ist es höchstwahrscheinlich noch nie aufgefallen, aber ich bin gelegentlich ein bisschen sensibel. Ja, im Ernst.

Wird Zeit fürs Bett. Nächste Woche widme ich mich wieder etwas wichtigerem als so einem albernen Kartenspiel, das eh nur Loser spielen!!!

Liebe geht raus <3

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27.04.2022

„(…) Hashtag, ich koche jetzt nur noch vegan. Hashtag, zu viel Feiern macht arm. Hashtag, wir steuern aufs Ende zu. Hashtag, verdammt, ich hass‘ die Deutsche Bahn.
Hashtag, wir sind im Wettlauf gegen die Zeit. Hashtag, Avocado is life. Hashtag, Kleider machen Leute. Hashtag, ich würde alles tun für Aufmerksamkeit (…)“

Leute, es ist wieder Dienstag. Oder auch Mittwoch genannt, wenn man einen Tag zu spät dran ist.
Hinter mir liegt eine interessante Woche, die ich zum Teil in Köln-Ehrenfeld beim c/o pop Festival verbringen durfte. Wer mich kennt, weiß von meiner Liebe zu Köln und diese liebenswerte Stadt dann auch noch im Rahmen einer coolen Veranstaltung zu besuchen, war auf jeden Fall die Reisestrapazen wert. Zumal das Wetter ein Traum war. Und das schätzt man als Norddeutscher, glaubt mir!

Ich werde ganz ehrlich sein. Gestern wäre genug Zeit für mich da gewesen, um meiner Dienstagsgebot nachzukommen. Im Gegensatz zur ein oder anderen Woche fehlte es mir auch nicht an Ideen, über die ich hätte schreiben können. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Ich hab so viele unterschiedliche Gedanken, die dann wiederum auch immer wieder abdriften, sodass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Und während die neumodischen Content-Creator sich in der Verantwortung sehen, sich, unter egal welchen Umständen, mitzuteilen, probiere ich stets auch zu erkennen, wann ich lieber die Schnauzen halten sollte.

Das liegt im Übrigen nicht einmal daran, dass ich so ein „Ehrenmann“ bin, sondern an meiner Unwissenheit in vielen Themengebieten und ich mich ungern als Dummkopf outen möchte, wenn mich jemand anders argumentativ zerlegt. Man könnte mich also eitler Schisser nennen.

Und dennoch. Es gibt exakt eine Sache, zu der ich meinen Senf einmal kurz dazugeben möchte, in dem Bewusstsein, kein Fachmann zu sein. Ich halte die Lieferung schwerer Waffen für die Ukraine für falsch. Da kann mich jetzt jeder noch so oft als hoffnungslosen Romantiker, der in seinem pazifistischen Weltbild den Ernst der Lage nicht verstanden zu haben scheint, abstempeln. Ich bleibe bei meinem Standpunkt.

Ich bleibe auch bei meinem Standpunkt, dass sich Standpunkte jederzeit verändern können und dürfen. Ansichten, Haltungen, Überzeugungen ändern sich bei jedem Menschen mit der Zeit. Sicherlich nicht alle. Aber einige. Und das ist richtig und wichtig. Ich verstehe diese Entwicklung derzeit nicht, die es Leuten verbietet, eine andere Auffassung von Dingen zu haben als man selbst und sie im schlimmsten Fall WISSENTLICH falsch verdächtigt.
Für nicht wenige bin ich aufgrund meiner Haltung bezüglich der Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine zwangsläufig ein „Putin-Versteher“. Für viele bin ich aufgrund meiner Kritik an den Corona-Maßnahmen ein Corona-Leugner. Und all diese Vorverurteilungen stellen keine Basis zu einem Dialog dar.

Natürlich kann ich nur für mich selbst sprechen. Aber ich möchte einen Austausch und Diskussionen über all diese Themen. Ich bin (wie eben erwähnt) jederzeit bereit, mich von anderen Meinungen überzeugen zu lassen. Aber dafür muss halt gesprochen werden. Shit, ey. Ich bin doch nur so ein 30 Jähriger Typ, der versucht, schlau aus all dem zu werden, was hier passiert. Und ich weiß, so geht es vielen. Wir wollen verstehen und lernen und brauchen einander dafür. Und sogar, wenn unsere Gespräche am Ende dazu führen sollten, dass wir weiterhin unterschiedlicher Auffassungen sind über irgendetwas, sollten wir das doch in einer gottverdammten Demokratie aushalten können, oder nicht?

Ich möchte mich selbst als mal kurz als Person portraitieren, um zu verdeutlichen, wie viele (vermeintliche!) Widersprüche wir in uns tragen.
Ich bin ein 30 jähriger Mann deutsch-äthiopischer Abstammung. Ich bin gläubig, aber nicht religiös. Ich bin kein Freund von Karl Lauterbach und gegen die Impfpflicht. Ich bin Links-Wähler. Ich halte Elektroautos nicht für die Lösung. Ich bin überzeugt vom Klimawandel. Ich bin für die grundsätzliche Meinungsfreiheit. Ich lasse nicht zu, dass Weiße das N-Wort nutzen. Ich finde Gendern in Ordnung, weil ich das Anliegen verstehe. Ich glaube in Teilen an toxic masculinity. Ich halte Kapitalismus für den Teufel. Ich halte Kommunismus für nicht fair umsetzbar. Ich habe seit 3 Jahren keine nicht fair produzierten Markenklamotten mehr gekauft. Ich war letzte Woche bei McDonald’s. Ich glaube an das Konzept der traditionellen Familie. Ich glaube nicht, dass dieses Konzept für jeden Menschen funktioniert.

Das könnte jetzt noch lange so weitergehen. Vielleicht erkennt ihr euch ja teilweise in einigen Punkten wieder.
Die Grautöne sind wichtig, weißte?

Also wenn das hier irgendwer liest, der mich auf dem „Holzweg“ wähnt, soll er/sie mich gern einfach ansprechen. Ich verspreche, ich höre zu und nehme dein Anliegen ernst. Ich hoffe bloß auch auf selbiges von dir.

Liebe an euch alle!

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19.04.2022

„(…) auch, wenn ich in deinen Augen zu verträumt bin, bin ich nicht so naiv, zu glauben, dich zu überzeugen. Ich schätz, das hier ist bloß meine Art, mich zu betäuben, weil ich von der Idee, nur ein Freund zu sein, wie du weißt, kein Freund bin (…)“

Ist das Wetter nicht herrlich gerade? Ja, ich bin soeben tatsächlich mit einem Vermerk zum Wetter in diesen schriftlichen Monolog gestartet. Eigentlich bewahrt man sich das Thema Wetter ja eher für schlechtlaufende Gespräche mit Menschen auf, denen man normalerweise nur „Hallo“ und „Tschüß“ sagt, wenn sie unerwarteterweise plötzlich eine Station länger mit dir in der Bahn stehen. Aber ich fahre selten Bahn, also war ich so frei, meine Munition zu verschießen.

Die aufmerksamen Häschen unter euch dürften wissen, worum es im heutigen Blogartikel geht. Genau! Mein zweites (wesentlich größeres) Problem mit Musikstreaming.
In der letzten Woche ging ich bereits auf die Problematik mit der Ausschüttung an die Kreativen ein und die Schwierigkeit, als Songwriter, Komponist, Produzent usw. fair entlohnt zu werden.

Faire Entlohnung ist, selbst für jemanden wie mich, der sich grundsätzlich als idealistisch und nicht sonderlich materialistisch beschreiben würde, eine wichtige Art der Wertschätzung. BECAUSE PEOPLE GOTTA EAT!

Ach ja, die gute alte Wertschätzung. Sie ist für uns Menschen generell etwas unfassbar wichtiges. Wir wollen wertgeschätzt werden von unseren Partnern, unseren Freunden, unserer Familie, unseren Arbeitskollegen. Wertgeschätzt zu werden von anderen ist ein schönes Gefühl, welches uns Sicherheit gibt.

Ich denke jedoch, die Wertschätzung für „etwas“ nimmt ab, wenn eine „Sache“ permanent verfügbar ist, ohne, dass man selbst etwas „leistet“, um diese Verfügbarkeit zu erhalten.

Das Streaming ermöglicht es uns, jederzeit von überall Musik zu hören, die wir hören wollen. Die Musik ist immer da. Teilweise bemerken wir sie gar nicht mehr. Wir haben sie einfach immer an oder befinden uns irgendwo, wo sie angemacht wird. Wir bestimmen über sie, ohne etwas zurückgeben zu müssen. Weder in Form von (ausreichend) Geld, noch Aufmerksamkeit.

Vor gar nicht allzu langer Zeit saßen wir vor unserem CD-Player mit diesem neuen Album unseres Lieblings-Artists, für das wir zwei Stunden vorher 15€ ausgegeben hatten. Einige von uns saßen mit den Booklets da und lasen sich die Songtexte durch, wollten jedes Wort kennen und verstehen. Oft hörten wir selbst die Songs des Albums mehrmals, die uns beim ersten Hören nicht direkt gefielen, um ihnen die Chance zu geben, uns doch noch zu überzeugen. Wir hatten schließlich für diese CD bezahlt und wollten sie dementsprechend bis auf den letzten Tropfen auspressen, um nichts von ihr zu verpassen. Und wir hörten dieses Album täglich. Oft über Wochen, manchmal sogar Monate.

Kurze Frage: Wie oft habt ihr den Satz „ich hab letztens in das neue Album von XY reingehört“ in den vergangenen Monaten gehört oder auch selbst gesagt?
Exakt.
Wir hören nur noch rein. Zumindest häufig. Kendrick Lamars neues Album kommt am 13. Mai und an diesem Datum um Mitternacht werden Millionen Menschen an ihren Handys sitzen und „reinhören“. Sicherlich werden einige es durchhören und womöglich sogar mehrmals. Aber selbst unter diesen wenigen Leute, auf die das zutrifft, werden die absolut wenigsten einzig und allein dieses Album dieses Künstlers über Wochen inhalieren. Denn parallel releasen 20 weitere Artists, die sie mögen, auch neues Material. Und alles ist verfügbar in dieser einen App aufm Handy. Und das tollste ist: Jeder kann jeden Song weltweit zu jedem Zeitpunkt hören. Auch nebenbei, während aufgeräumt oder geduscht oder gejoggt oder einfach abgehangen wird. „Musik ist mein Leben, ich höre 24/7 Musik.“ Ja, super. Aber du hast in diese Sache, die du liebst, in den vergangenen fünf Jahren weniger Geld fließen lassen als du für einen Coffee to go aufm Weg zur Arbeit ausgibst jeden verdammten Morgen. Und wer jetzt damit argumentiert, ja monatlich 10€ für den Streamingdienst seiner Wahl auszugeben sollte bitte nochmal den Blogartikel von letzter Woche zu diesem Thema durchlesen. Zumal wir alle wissen, dass wir diese 10€ investieren, um keine Werbeunterbrechungen über uns ergehen lassen zu müssen und um eben NOCH MEHR Macht über unser Konsumverhalten zu generieren, weil diese 10€ uns die Möglichkeit geben, entscheiden zu können, was wir in diesem Moment hören wollen. Aber stehen 10€ im Verhältnis zu den Möglichkeiten, die uns das Streaming bietet? I don’t think so!
Eher verspüren wir wahrscheinlich die Verpflichtung, so viel wie möglich aus diesen ausgegebenen 10€ herauszuholen, weil uns unser kapitalistisches Mindset eintrichtert, aus allem ein profitables Geschäft machen zu müssen. Dieser Buffet-Effekt, wisst ihr? Es ist ja dumm, sich bei ’nem Buffet nur mit einem Gericht satt zu essen. Man muss sich den Bauch schon unangenehm voll schlagen mit möglichst vielen Fleischsorten, damit man schlauer war als derjenige, der das Buffet anbietet.
Und unterbewusst läuft es beim Musikstreaming (vermutlich) ähnlich. Wie bescheuert wäre es denn, wenn du letzten Monat nur dieses eine Alicia Keys Album gehört hättest? Sie hat doch noch viel mehr Alben! Und wieso hörst du nur sie? Es gibt doch so viele tolle Artists. Which is true, but… ihr wisst, worauf ich hinauswill.

Ich würde behaupten, Musik war noch nie so allgegenwärtig und unabdingbar wie heutzutage. Aber sie hat auch noch nie so wenig Wertschätzung erfahren, wie heute. Sie ist immer da und wir beachten sie gar nicht groß. Bis plötzlich die Playlist gestoppt wird und es ruhig im Café ist, in dem wir sitzen.

Wisst ihr, ich bin – egal, wie oft ich Witze darüber mache – wirklich kein Alteingesessener, der alles schlecht findet, was neu ist. Im Gegenteil. Ich verstehe, dass die Welt sich stetig verändert und es immer wieder Umstände geben wird, an die es sich zu gewöhnen gilt. Ich hab auch ganz ehrlicherweise keinen Vorschlag parat, wie man dieses „Problem“ lösen könnte. Vinyl-Hype und Vintage-Liebhaberei hin oder oder. Letztendlich greift die Mehrheitsgesellschaft ja trotzdem nicht morgen wieder auf physische Tonträger zurück. Und das soll sie auch gar nicht! Gerade als kleiner independent Artist weiß ich doch die Vorzüge der heutigen Zeit zu schätzen und freue mich, nicht auf große Labels angewiesen zu sein, um meine Musik veröffentlichen zu können. Und natürlich habe ich auch schon tolle Künstler durch Streamingplattformen entdeckt, die ich nie im Saturn CD-Regal hätte finden können, weil sie eben zu „klein“ sind, um dort auffindbar zu sein. Der Markt wurde gewissermaßen demokratisiert und auch das hat halt seinen Preis.

Wie gesagt: Ich hab keinen sinnvollen Lösungsansatz. Ich möchte lediglich aufmerksam machen, auf das, was meiner Meinung nach, zu wenig beachtet wird.

Im Idealfall hören nun einige von euch am 13. Mai Kendricks Album mehr an als dass sie reinhören. In einer Utopie kaufen ein paar von euch sich seine Vinyl oder CD. In einer perfekten Welt haben diejenigen von euch sogar Zuhause Geräte stehen, die sowas abspielen können.
Aber der Idealfall würde mich schon mehr als zufrieden stimmen.

BEENDIGUNG!
P.S.: Mein Album wird übrigens auch in einer kleinen Auflage gepresst, sodass ihr die CD bei Gigs (Hoffnung stirbt zuletzt) und online bei mir kaufen werden könnt. Um es euch vorzurechnen: Für den Umsatz, den der Verkauf EINER CD ausmachen würde, müsste ich mehr als 2500 Streams einspielen.

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12.04.2022

„(…) in einer Welt, in der du dich auf nichts verlassen kannst und jede Aufbruchstimmung überdeckt wird von ’ner krassen Angst. In der Chancengleichheit nur so viel meint wie Klassenkampf und jeder will, dass du dich stets für irgendwas bedankst. Da fällt es schwer noch einen Zauber zu sehen. Selbst kleinste Sorgen werden zu ’nem Dauerproblem. Und nein, ich denk nicht, dass ich das für dich lösen kann. Aber zumindest hörst du dir grad etwas schönes an (…)“

Das war ein offensichtlich ziemlich langer Songtextauszug zum Einstieg. Allerdings wäre zu viel verloren gegangen, wenn ich den Teil an irgendeiner Stelle gekürzt hätte. Vertraut mir, ich hab es ausprobiert.

Heute möchte ich gern nochmal genauer auf ein Thema eingehen, welches ich letzte Woche kurz angeschnitten hatte. Das Thema Musikstreaming.
Wer mich kennt, weiß wie kritisch ich der heutzutage gängigsten Form des Musikkonsums gegenüberstehe. Jedoch nicht, weil ich ein Ewiggestriger wäre, der jeden Menschen ohne Plattenspieler für einen Kulturbanausen hält. Nein, es gibt grob betrachtet zwei Punkte, mit denen ich konkret so meine Probleme habe.

Punkt eins ist wahrscheinlich offensichtlich. Es geht um die katastrophalen Zustände in puncto Ausschüttung an die Künstler. Zwar zahlen alle Dienste unterschiedliche Beträge pro Stream aus, über mehr als den Bruchteil eines Cents unterhalten wir uns aber bei keinem Anbieter. Mittlerweile ist die Problematik auch weitestgehend bekannt, da sich zahlreiche (teils namhafte) Songwriter, Komponisten und Produzenten in der Vergangenheit lautstark beschwerten. Gebessert hat sich trotzdem nichts. Man braucht rund eine Million Streams auf einem Song, um in etwa drei- bis viertausend Euro an die Beteiligten des Werks ausgezahlt zu bekommen. Damit ein Song eine Million mal gestreamt wird, ist im Normalfall schon wesentlich mehr Geld in die Produktion und vor allem Vermarktung dieses Songs geflossen, als er schlussendlich abwirft. Zumindest aus der Perspektive kleinerer Artists. Diese haben zwar dank Streaming die Chance, ihre Musik nach außen zu tragen und ohne Radio oder TV zumindest potentiell stattzufinden. Doch wie viel bringt diese theoretische Möglichkeit aufs Spotlight, wenn dir 200.000 Zuhörer auf deinem Song nicht einmal ’ne Monatsmiete sichern? Den meisten Künstlern geht es nach wie vor nicht ums Geld verdienen, richtig. Aber Künstler müssen eben auch Geld verdienen, um leben zu können und im Idealfall können sie irgendwann von ihrer Kunst leben. Um als independent Artist nennenswerte Beiträge durchs Streaming zu erwirtschaften, muss man im Endeffekt so viel Zeit in die eigene Arbeit investieren, dass sie in tatsächlichen Wochenstunden mit einem Fulltime-Job MINDESTENS gleichzusetzen ist.

Kleiner Sidefact noch hierzu: Wusstet ihr, dass eure 10€, die ihr für eure Premium-Accounts monatlich bezahlt, nicht an die Bands wandern, die ihr am meisten hört, sondern an die, die allgemein am meisten Plays erzielen? Also wenn ihr (rein hypothetisch) den gesamten April ausschließlich meine Songs hören würdet, würden lediglich diese ca. 0,2 Cent pro Stream bei mir ankommen, eure 10€ würden sich jedoch auf den Anbieter selbst und Ed Sheeran, The Weeknd und Beyonce verteilen. Krank, oder? #thericharegettingricherthepooraregettingpoorer

Boah, Leute. Ich hab mich gerade dazu entschieden, auf Punkt zwei nächste Woche einzugehen. Sorry, aber mein Kopf will gerade nicht mehr mitmachen. Als eine Art kleinen Teaser lasse ich euch dafür schon ein Stichwort für Part two hier: Wertschätzung.

Ich wertschätze eure Bereitschaft, diesen Blog hier jede Woche zu lesen, auf jeden Fall sehr. Danke! Ganz im Ernst.

See you next week <3

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04.04.2022

„(…) ich denk, es gibt einen Grund für jeden Menschen, den man im Leben trifft. In dieser toxischen macht so vieles krank, doch ich schätz‘, du bist mein Gegengift (…)“

Wir schreiben den vierten Vierten Zweitausendzweiundzwanzig. Euch fällt auf, es handelt sich wieder um einen Montag statt Dienstag. Um dies mit den Worten des Homeboys Armin Laschet zu begründen: „Isso.“

Da vor mir ein paar vollere Tage liegen, dachte ich mir, ich nutze die Gunst der (Montags-)Stunde und melde mich heute schon.
An dieser Stelle ein kleines Shoutout an Anderson Paak und Bruno Mars aka Silk Sonic, welches sie nie hören werden! Die Jungs haben vergangene Nacht 4(!) Grammys gewonnen für ihren Song „Leave the Door Open“. Das hat mir gute zehn Minuten den Glauben an die Menschheit zurückgegeben. Aber länger als zehn Minuten konnte nicht ignorieren, dass J.Cole wieder keinen bekommen hat. Jermaine war das übrigens offensichtlich im Vorfeld schon klar und deshalb hat er einfach parallel zu den Grammys auf seinem eigenen Dreamville Festival mit seiner Crew abgerissen. Das ist das Maß an Selbstbestimmung und not giving a fuck, das ich mir für jeden Menschen wünsche, der Kunst macht. Ganz ohne Ironie.

Mag sein, dass das jetzt der deutsche Blick auf die Dinge ist, aber ich hab auch grundsätzlich das Gefühl, solche Preisverleihungen haben brutal an Wert und Relevanz verloren. Auch bevor Wills Ohrfeige seinen ersten Oscar quasi unsichtbar für die Medienlandschaft machte.
Natürlich lässt sich argumentieren, dass wir hier in Deutschland keinen Bezug (mehr) zu großen Awards haben, seitdem es den Echo nicht mehr gibt. Und selbstverständlich war das Interesse hierzulande an den Grammys auch vor 20 Jahren nicht gewaltig. Aber ich denke wirklich, das Zeitalter des Streamings, des schnellen (Musik-)Konsums, hat auch in puncto Preisverleihungen seine Spuren hinterlassen. Ich bezweifle stark, dass ein 14 Jähriger, der Musik machen will, und sämtliche Songs, die er cool findet, ausschließlich von Spotify kennt, davon träumt, irgendwann mit einem Grammy oder ähnlichem ausgezeichnet zu werden. Ganz einfach deshalb, weil Streaming super transparent ist, wenn es um Zahlen geht. Dieser Bursche sieht ja, dass sein großes Idol vielleicht 20 Millionen Plays auf mehreren Songs hat. Insofern steht die Beliebtheit des Artists außer Frage. Gleiches lässt sich übrigens über Musikvideos sagen, die von der jungen Generation über YouTube und nicht durchs Musikfernsehen geschaut werden. Mir fehlt die Vorstellungskraft dafür, dass sich die Jugendlichen heute über die VMAs (Video Music Awards) Gedanken machen, wenn sie ihr Wunsch-Video luftschlossartig bauen.

Im Übrigen empfinde ich das, was ich hier beschreibe, nicht zwangsläufig als etwas negatives. Ich bin zwar bekanntlich kein großer Freund der meisten Streamingdienste – worauf ich demnächst vielleicht mal genauer eingehen werde – ABER ich halte es für eine prinzipiell gute Entwicklung, wenn junge Leute nicht den Drang verspüren, sich und ihre Kunst durch einen Preis gewissermaßen validieren zu lassen. Und dass ein Grammy nicht ausschlaggebend für eine großartige Karriere sein muss, beweist eben z.B. ein J.Cole, wenn er gar nicht erst auf dem Event aufkreuzt und stattdessen sein eigenes startet. Awards sind nicht mehr die eine Form von Wertschätzung, auf die jeder hofft.

Das bezieht sich jetzt alles sehr explizit auf die Musikindustrie und ist vermutlich nur begrenzt auf die Film- bzw. Entertainmentindustrie im Allgemeinen anwendbar. Oscars und Grammys lassen sich nicht eins zu eins vergleichen. Dennoch denke ich, die Existenz von Netflix, Amazon Prime und Co. haben dem Ansehen und der Aura der Oscars zumindest mal nicht geholfen.

Ich kann mich jedoch auch irren. Das ist dann der Vorteil, wenn dieser Blog hier von so wenigen Leuten gelesen wird 😉

Wünsche euch eine schöne restliche Woche und hoffe, ihr übersteht dieses Herbstwetter im April.

Bis nächste Woche, Aldaaaaaaaaaaa!

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29.03.2022

„(…) glaub mir, um Fame und viel Geld ging es mir noch nie. Bin bloß ’n Junge auf ’ner Bühne auf der Suche nach Magie. Denn Zauber gibt es, auch wenn Hogwarts nicht existiert. So viel Zeit geht für Scheiße drauf, also schenk‘ den Rest doch mir (…)“

In diesem Sinne bedanke ich mich bereits zu Beginn dieses Blogposts bei jeder Person, die mir ein kleines bisschen ihrer Zeit widmet. Ich weiß, wie zynisch ich hier oftmals schreibe, aber am Ende des Tages freue ich mich natürlich, wenn ihr dem, was ich tu, etwas abgewinnen könnt.

Die letzten Tage hab ich mich ein wenig zurückgezogen, um nochmal ganz intensive Textarbeit zu betreiben. Hat sich gelohnt, denke ich. Bin größtenteils gut vorangekommen, wenn auch einige Parts mir nach wie vor Probleme bereiten. Aber so ist das halt mit dem Schreiben. Je persönlicher ein Text ist, je näher er an mir und meinem Leben ist, desto schwieriger ist es, ihn aufs Papier zu bringen. Vermutlich ist das auch völlig logisch, weil der Anspruch, die perfekten Worte zu finden, auf einmal deutlich steigt. Schließlich geht’s da nicht um fiktive Situationen, in die ich mich reindenke, mit der Absicht eine authentische Story zu erzählen. Es geht da um Gefühle, die ich selbst habe und probiere zu formulieren, in der Hoffnung, noch mehr von mir über mich zu erfahren. Naja und ich will das Ganze selbstverständlich auch handwerklich gut umsetzen. Ach, ich liebe den Scheiß einfach!

Was ist sonst so passiert in der vergangenen Woche? Fat Comedy hat Oliver Pocher ohne, dass dieser es hätte kommen sehen, geohrfeigt. Halte ich das, was da passiert ist, für richtig? Jein. Die Aktion war natürlich hinterhältig und ’ne absolute Selbstinszenierung des Burschen. Aber ich kann diesen Teufel in mir nicht ignorieren, der Oli Pocher solche Schellen zum Frühstück wünscht.
Und es ist völlig klar, dass ich an dieser Stelle auch noch kurz was zu „Will Smith just smacked the shit out of me“ sagen muss. Halte ich das, was da passiert ist, für richtig? Digga, keine Ahnung, aber ich hab gelacht wie lang nicht mehr! Ich hab so gar kein Interesse daran, zu diskutieren ob Will übertrieben oder Chris Rock es verdient hat. Überall diese Pseudo-Moral gerade. Die einen sagen, so sollte ein Mann handeln, um seine Frau zu schützen. Die anderen sagen, Gewalt ist nie eine Lösung. Jeder meint die Situation perfekt analysiert und interpretiert zu haben. Als wüsste irgendwer von uns auch nur irgendetwas über irgendwen in dieser Geschichte. Ey, ich war einfach wahnsinnig gut unterhalten und hoffe bloß, dass Will seinen Oscar behalten darf und Chris nicht aufhört, so auszuteilen. Dass der Bruder einstecken kann, hat er uns jetzt bewiesen!
Unsere Welt wurde wieder um ein Bild bereichert, aus dem tausende von witzigen Memes resultieren werden.

Mein Glas ist halbvoll.

Ich hoffe trotzdem, es kommen in den nächsten Tagen nicht noch mehr Backpfeifen dazu. Wenn Dinge inflationär genutzt werden, verlieren sie ihren Reiz. Und dann guckt plötzlich keiner mehr diese Slap-Contests aus Sibirien auf Facebook.

So viel dazu. So viel von mir.
Ich melde mich im April wieder #höhöhö

Hab euch lieb!

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21.03.2022

„(…) würde gern wissen, wie man aus ’nem Käfig ausbricht. Sie sperrt mich ein und sagt zu mir ‚Genieß die Aussicht‘. Es gibt keinen Weg, dass man sich miteinander ausspricht.
Zu Warten, bis sie von selbst geht, scheint am bequemsten. Und ja, sie macht mich zwar kaputt, aber ich nehm’s hin. Was nur beweist, dass ich ein Teil dieses Problems bin. (…)“

Wisst ihr noch meine Kopfschmerzen, von denen ich letzte Woche schrieb? Ja, das war Corona. Dementsprechend passend empfand ich diesen Ausschnitt aus einem Breakup-Song, der den Titel „Entscheidungen“ trägt. Ist selbstverständlich ebenfalls fürs Album vorgesehen.

Also ich bin in Quarantäne seit einigen Tagen. Timing könnte schlechter sein, denn gerade steht kein langersehnter Trip oder wichtiger Termin an. Timing könnte aber auch besser sein, denn die Sonne scheint.
Es geht mir jedenfalls wieder ganz gut und ab dem Moment, wo ich mich fit fühle, ist es schwieriger kooperativ mit dem Gesundheitsamt zu arbeiten. Aber alles easy, Joachim-Habibi, der mich vorhin anrief. Ich reiß mich zusammen.

Was wirklich richtig gut an der Quarantäne ist, ist die Tatsache, dass ich mich auf die wichtigen Dinge konzentrieren kann. Ich schreibe von früh bis spät, koche gesund und lese wahnsinnig viel.
WOW, ich hab noch nie so viele Lügen in einem Satz untergebracht!
Die Wahrheit ist, ich schreibe zu wenig, koche wie ein Teenager, der kein Geld für McDonald’s mehr hat und habe seit ’nem halben Jahr ein und dasselbe Buch vor mir liegen, welches ein Lesezeichen zwischen Seite 12 und 13 in sich trägt. Die Wahrheit ist auch, dass ich noch mehr Sport gucke, als ich es ohnehin schon tue, wenn es mir nicht möglich ist, selbst aktiv welchen zu betreiben. Aber das muss man ja nicht kritisch sehen! #baldsindNBAPlayoffs

Was sich gerade erneut als positiv für mich erweist, ist der deutlich geringere digitale Konsum. Ich halte mich so wenig auf Social Media auf, dass es allen selbsternannten Musikmanagement-Experten als Grundlage dienen könnte, meinen ausbleibenden Erfolg in Sachen Follower und Reichweite zu erklären. Vermutlich ist da auch was dran, aber den Preis zahle ich nach wie vor gerne. Und eine Instagram-Story für heute Abend ist durch diesen Blog hier ja schon garantiert #zwinkerzwinker

Ich bekomme zugegebenermaßen auch relativ wenig davon mit, was gerade so auf der Welt geschieht. Das ist einerseits ebenfalls Balsam für die Seele, weil etwas Ruhe einkehrt. Andererseits der absolute Kopfkrieg, weil die Schuldgefühle größer werden. Ich will niemand sein, der die Augen verschließt und bilde mir zumindest ein, dass ich das auch nicht bin. Ich denke nur, es ist gesund – vielleicht sogar absolut notwendig – sich gelegentlich für eine kurze Dauer mal rauszuziehen aus allem, um dann idealerweise gestärkt wieder an die Arbeit zu gehen. Und mit „an die Arbeit“ ist in diesem Falle nicht der Beruf gemeint, sondern der bedingungslose Einsatz gegen Ungerechtigkeit. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, versteht sich.
Sorry, falls das alles zu abstrakt ist oder pseudo-revolutionär daherkommt.

Ich schicke jedenfalls Liebe, an jede Person, die sich aktuell auf irgendeine Weise engagiert, um bspw. den Geflüchteten aus der Ukraine zu helfen und hoffe, ihr habt genau dieses Maß an Empathie in euch, wenn Leute aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea bei uns Schutz suchen. Diese Worte sind kein bisschen zynisch gemeint, sondern mein ausdrücklicher Wunsch. Denn am Ende des Tages träume ich davon, dass eine Familie, die aussieht wie meine Familie, genau so viel wert ist, wie alle anderen.

So viel von mir in dieser Woche. Ausnahmsweise wieder an ’nem Montag aus Mangel an Beschäftigung.

Fühlt euch ge-kuss-emojit!

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15.03.2022

„(…) Manche nennen sich Anti-Kapitalisten, während sie in Ärsche kriechen, um dicke Checks zu klären.
Manche nennen dich ihren Bruder, während sie hinterrücks versuchen deine Ex zu klären. Hab ihre Echtheit immer angezweifelt, als wenn sie die Nase von Michael Jackson wären (…)“

Irgendwie war mir heute danach, diesen Blog mit ein paar lustigen Zeilen zu beginnen. LOL, Altaaa!

Wie ihr sehen könnt, bin ich diese Woche wieder auf den gewohnten Dienstag zurückgekehrt. Eigentlich hätte ich sogar lieber Mittwoch draus gemacht, weil ich gerade (mal wieder) mit nervigen Kopfschmerzen zu kämpfen habe und dieser Laptop sicherlich keine Hilfe für dieses Problem darstellt. Aber ich will heute meinen deutschen Pass rechtfertigen, indem ich die Arbeit über meine Gesundheit stelle. Wenn ich in den nächsten Minuten also Tränen auf meine Tastatur vergieße, dann nicht, weil meine Worte von Herzen kommen, sondern, weil ich ein Opfer bin.

Aktuell ertrinke ich in Aufgaben. Oder besser gesagt: Ich stagniere darin, meine To-Do-List zu verkleinern. Nach all den Jahren sollte ich mich an dieses Leben als selbstständiger Künstler gewöhnt haben. Hab ich auch. Bloß, wenn dann so ein Großprojekt ansteht, gibt es plötzlich soviel zusätzliches zu bedenken und organisieren. Und ja, ich mag das.

Im Moment bin ich dabei, etwas ohrenschmausiges für das von Aykut und mir aufgenommene Video zu entwickeln. Generell ist vor allem Schreiben und Vorproduzieren angesagt, weil ich nicht anders kann, als permanent Songs zu kicken, in der Überzeugung, etwas besseres/passenderes kreieren zu können. Da ich aber erstmals offiziell nicht mehr „nur“ als Künstler, sondern auch als Label agiere, spreche ich mit Presswerken (es wird ca. 300 CDs des Albums geben) und Vertrieben. Okay, das hab ich alles auch schon vorher gemacht. Aber jetzt fühlt sich das Ganze irgendwie noch ein bisschen ernster und seriöser an. Dieses Album soll und muss etwas besonderes werden.

Naja, das Leben besteht aber (leider) nicht nur aus Worten und Melodien #werbung
Den Alltag gibt es eben auch noch.

In den letzten Tagen hab ich mich häufiger gefragt, wie sich das wohl anfühlt, wenn diese beiden Dinge das gleiche bedeuten. Ich meine, wenn dein Projekt dein Alltag ist und dein Alltag dein Projekt. Wenn es nichts (oder fast nichts) gibt, um was du dich kümmern musst, außer dein Album. Auf der einen Seite stelle ich mir das natürlich wahnsinnig schön und entlastend vor. Auf der anderen gefällt mir die Vorstellung so gar nicht. Es ist bestimmt nice, sich keine Gedanken über die nächste Miete oder den nächsten Einkauf machen zu müssen. Andererseits kenne ich das Dasein als Independent Artist nur so und schätze es irgendwie auch.

Ich weiß, das ist wieder super paradox. Aber trotz all der frustrierenden Momente und Tiefschläge, die ich über die Jahre erlebt hab mit meiner Kunst und meiner Arbeit, hab ich nie aufgehört an J. Coles Zeile aus Love Yourz zu glauben: „there’s beauty in the struggle, ugliness in the success“.
In all den Problemen, die es im Alltag zu bewältigen gilt und die das eigene Schaffen teilweise auch schwieriger gestalten, sehe ich nach wie vor eine gewisse Schönheit. Und ich kann mir einfach nicht so wirklich vorstellen, dass Erfolg – wie auch immer ihn jemand definiert – keine Schattenseiten hat.

Gibt es nicht sogar irgendeine Redewendung, in der es heißt „Probleme lösen sich nicht, sie verschieben sich nur“ oder etwas in der Art? Ich bin gerade echt zu faul, um das zu googlen. Sorry. Wenn es so ein Sprichwort nicht gibt, ist es ab sofort meins. Ihr dürft es gern mit Vermerk auf diesen Blog auf eure Waden tätowieren.

Das war’s von mir. Bis nächste Woche, meine Butter-Karamell-Waffeln <3

P.S.: Dieser Blog ist natürlich keine „Arbeit“ im herkömmlichen Sinne für mich. Ich mache das verrückterweise leidenschaftlich gern und freiwillig (und sowas von unentgeltlich!).

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07.03.2022

„(…) dein Leben nervt dich und so wie es gerade ist, darf es nicht bleiben. Deshalb besteht dein Tag aus der Suche nach Memes, die deinen Charakter beschreiben (…)“

Leute, ich weiß. Ich hab mein Wort gebrochen, denn die letzten zwei Wochen kam kein Blog. Und hinzu kommt, dass ich ihn jetzt auch noch an ’nem Montag raushaue statt Dienstag. Ich verstehe, wie sehr euch diese ungewohnten Umstände gerade zu schaffen machen müssen. Deshalb ein dickes Sorry an euch 4.

Die letzten Wochen waren für mich leider größtenteils katastrophal, was in allererster Linie an meiner Gesundheit lag. Aber der Boy ist jetzt wieder auf der Höhe und probiert, produktiv zu sein. Zumindest so gut es geht.

Seit dem letzten Blogpost ist ’ne Menge passiert. Damit meine ich natürlich vor allem das, was momentan in der Ukraine geschieht. Ich hab mich dazu wenig geäußert bisher. Womöglich werde ich mich auch in nächster Zeit wenig äußern. Der Grund für meine Zurückhaltung in dieser Angelegenheit ist selbstverständlich nicht fehlendes Mitgefühl für die Opfer dieses Krieges. Ein Grund, weshalb ich nicht Grün wähle, ist vermutlich der, dass ich wirklich Pazifist bin. Ich halte mich einfach zurück, weil ich bisher den Eindruck hatte, keine Ahnung zu haben. Ich hab nicht das Gefühl, optimal informiert zu sein. Ich weiß, dass alles, was gerade passiert, falsch ist. Das sollte jeder so sehen. Da sind bloß so viele Fragen in meinem Kopf. Deeskaliert man, indem man einem Land Waffen zukommen lässt? Oder ist dieser Zug eh abgefahren und die Waffenlieferung einfach notwendig, um die Ukraine nicht wehrlos zurückzulassen? Wieso muss ein Krieg geografisch nah an uns sein, damit wir emotional nahbar werden? In diesem Moment finden in etwa 30 Kriege weltweit statt. Weshalb brauchen die öffentlich-rechtlichen Medien mehrere Tage, um über das widerwärtige Verhalten an der polnisch-ukrainischen Grenze gegenüber Schwarzen Menschen zu berichten? Über letzteres habe ich mich zuvor schon geäußert, ja. Von Politik habe ich wenig Ahnung. Von Krieg gar keine. Von Rassismus dafür umso mehr. Und wenn Leuten aufgrund ihrer Hautfarbe die Flucht vor Krieg verwehrt wird, gibt es keine weiteren Informationen, die ich benötige. Da ist nichts komplex. Da brauch ich keine Backgroundchecks. Weil ich diese Strukturen kenne, seitdem ich denken kann. Generell würde ich euch gern die aktuelle Episode der Blauen Stunde von Serdar Somuncu ans Herz legen, in der er sich mit verschiedenen Zuhörerinnen und Zuhörern über den Konflikt austauscht. Einfach hier klicken.

So. Ich möchte gern noch über was positives sprechen. Vorletzten Donnerstag war ich auf meinem ersten Konzert seit zwei Jahren. Dafür musste ich zwar nach London reisen, aber das war es wert. Der Künstler, für den ich die Reise in Kauf genommen hab, ist Samm Henshaw. Dieser Mann hat mich insbesondere in den letzten drei Jahren viel begleitet mit seiner Musik. Und auf meiner mittlerweile gar nicht mehr allzu langen Bucketlist von Artists, die ich noch live erleben will, stand er gaaaaanz weit oben. Insofern konnten mich auch die schlimmsten Zahnschmerzen und ’ne dicke Mandelentzündung nicht davon abhalten, diesen Abend zu genießen.

Joa und die letzten drei Tage bin ich mit meinem Brudi Aykut ans Meer gefahren, wo wir ein paar Fotos geschossen und ein kleines Video gedreht haben. Die ersten Bilder könnt ihr euch hier anschauen, sofern ihr auf Instagram seid. Ich glaub, da kommen einige nette Sachen auf euch zu.

Ich entschuldige mich nochmal für die längere Pause und gelobe Besserung. Ob ich jetzt allgemein auf montags umsteige mit dem Blog? Vielleicht. Schauen wir mal, wie es nächste Woche aussieht.

Liebe an euch alle! <3

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15.02.2022

„(…) sie würden ihre Seelen verkaufen für ’n bisschen Publicity. Würden nichts mit Substanz kreieren, selbst wenn sie wüssten wie. Weil sie sich lieber mit Tragen von Marken brüsten, die – die Finger von Kindern bluten lassen, welche wünschten, wir beschützten sie (…)“

Hier seht ihr erneut einen kleinen, vierzeiligen Auszug aus einem Spoken Word, welches ihr früher oder später in vollständiger Fassung kennenlernen werdet. Ja, ich kann diese Schüsse nicht lassen. Aber mit mir verhält es sich so wie mit Kriegsgebieten: Deutschland produziert meine Waffen und Munition und wundert sich dann, wenn ich sie benutze.

So, reicht jetzt. Hab gerade ein paar Tage Sonne in Spanien getankt und möchte nun auch ein wenig Licht in euer aller Leben bringen, um es mal wie so ein Esoteriker auszudrücken. Ich kann jedem von euch, dem es auch nur irgendwie möglich ist, unbedingt empfehlen, Deutschland in absehbarer Zeit mal für ein paar Tage Richtung Süden (nicht Österreich) zu verlassen. Einfach, weil es sich so unfassbar gut anfühlt, wieder ein kleines Stück Normalität mitzukriegen und eine Umgebung, die sich vielleicht mit einem Virus, aber nicht von Panik anstecken lässt. Das war natürlich ein sehr gefährlicher Satz von mir, der mich jetzt zu ’nem Querdenker-Udo macht. Wahrscheinlich bin ich im Moment noch zu beflügelt vom Gefühl, mich nicht mehrmals täglich ausweisen zu müssen, um zu belegen, dass ich keine Gefahr für meine Mitmenschen darstelle. Alter Schwede, zum Glück bin ich keine relevante Figur, die jetzt auf Twitter zerrissen wird. Hab gehört, dort kann man als OFFENSICHTLICH links-orientierter Mensch mit OFFENTSICHTLICHEM Migrationshintergrund von gutsituierten weißen Pseudo-Grünen aus Altbauwohnungen zum Rechtsradikalen erklärt werden, wenn man kein Fan von Lauterbach ist. Eigentlich möchte ich nur sagen, dass es tatsächlich noch Orte gibt, die zumindest teilweise ins alte Leben zurückkehren. Und das zu erleben, fühlt sich für den Kopf gesund an. Sehnsüchte und so, wisst ihr?

Sollte ich noch kurz von meinem offensichtlichen Fall von Racial Profiling der Bundespolizei am Hamburger Airport berichten? Ach, nö. Solche Geschichten liest und hört man ja eh schon zu genüge, wenn man nicht zufällig Horst Seehofer heißt.

In den nächsten Wochen werde ich das Album in puncto Songwriting und Texten finalisieren. Mitte März dürfte es erstmals ein kleines Video mit ein paar Visuals und ’nem Spoken Word geben. Ein paar neue Fotos werden auch geschossen und diese Homepage HOFFENTLICH aufgepimpt. Die Reise kann also langsam beginnen. Ich hab definitiv richtig Fuego unterm Hintern, ey!

Bis nächste Woche, meine Spätzeleins!

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08.02.2022

„(…) wie kann man sich dort fremd fühlen, wo man sich am besten auskennt? Dieser Ort wär selbst dann nicht mein Zuhaus, wenn ich hier ein Haus fänd. Seitdem ich denken kann, hab ich Klaustrophobie, mir ist diese Stadt hier zu klein. Oder zumindest dem Typen, der ich immer dachte zu sein (…)“

Dies war ein kleiner Auszug aus einem Spoken Word, das ich in den letzten Wochen geschrieben habe. Leute, die mich kennen, lesen darin wieder meinen selten versteckten Hamburg-Hass. Leute, die mich gut kennen, lesen darin mehr.

Aber erstmal ein riesiges MOOOOOOOOIN DIGGAAAAA! Bin gut drauf, ey! Morgen verlasse ich endlich mal wieder nach langer Zeit für ein paar Tage das Land. 2021 war das erste Jahr seit Kindertagen, in welchem ich Deutschland nicht mal für’n verlängertes Wochenende oder ähnliches den Rücken gekehrt hatte. Und für einen Reiseliebhaber wie mich ist das schon ein nahezu traumatisierender Zustand.

Ich bin allerdings auch so gut drauf, weil ich gestern eine weitere Förderung fürs Album zugesichert bekommen hab. Den Namen der Stiftung, die mir finanziell unter die Arme greift, darf ich an dieser Stelle leider nicht erwähnen, weil darum gebeten wurde. Dennoch auch hier nochmal ein großes DANKE, falls jemand von euch das liest!

Und sonst so? Bekanntlich jede Woche aktuell mehr oder weniger das gleiche. Die besonderen Vorkommnisse seit letztem Dienstag bin ich ja bereits losgeworden. Vielleicht interessiert euch ja, dass ich vor ’ner Weile wieder auf Papier umgestiegen bin. Also beim Schreiben von Songs und Spoken Words. Alles, was ich bisher fürs Album geschrieben hab, wurde von mir bislang zuerst handschriftlich verfasst. Das klingt zwar gar nicht so besonders, ist es aber. Die letzten Jahre hab ich primär am Laptop geschrieben. Teilweise war das einfach „convenient“ wie es so schön auf Neudeutsch heißt. Irgendwann letzten Sommer – wenn wir die Monate Juli und August des Jahres 2021 so nennen wollen – hörte ich dann einen Podcast, in dem eine Autorin davon sprach, dass sie eines Tages wieder anfing, auf Papier zu schreiben, weil sie den Eindruck hatte, direkt aus ihrem Herzen zu schreiben, wenn sie ihre Texte handschriftlich verfasste. Deshalb probierte ich es daraufhin auch wieder aus und womöglich war und ist das nur Placebo, aber ich hab ebenfalls das Gefühl, mir gehen manche Dinge nun leichter von der Hand. Wortspiel, hihi.

Ein guter Nebeneffekt dieser handgeschriebenen Texte ist bei mir übrigens, dass sie außer mir keiner lesen kann. Sheeeeeesh, der Boy schreibt Hieroglyphen, macht sie zu NFTs und wird Milliardär! Ja, ich musste Hieroglyphen googlen, weil ich nicht wusste, wie man das schreibt.

Jetzt wisst ihr von meinem morgen beginnenden Kurztrip, meiner Förderung fürs Album und dass ich meine Texte mit der Hand schreibe. Ich glaub, diese Informationen müsst ihr erstmal verarbeiten. Außerdem wartet meine Tasche darauf, endlich wieder gepackt und als Handgepäck betitelt zu werden.

Bis nächste Woche ihr Cini Minis!

P.S.: Ich meine diese billigen Kopien von Cini Minis, die man im Discounter findet. Ihr seid schließlich keine Nestlé-Produkte!

P.P.S.: Ihr seid nicht billig!!!

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01.02.2022

„(…) wir schauen gern über den Tellerrand, teilen ungern, was auf dem Teller liegt. Fassen ’nen Gedanken voll Mitgefühl, sind okay damit, wenn er schnell verfliegt. Die Leute in der Ferne da, die tun uns leid. Aber auch hier muss jeder zusehen, wo er bleibt. Dabei kennen wir keinen Hunger, so nennen wir unseren Appetit (…)“

Das war ein Teil der ersten Strophe eines Songs, für welchen ich bislang noch keinen Titel gewählt hab. Manchmal tu ich mich irgendwie schwer mit der Namensgebung meiner Songs.

Also Schreiben läuft. Mal besser, mal schlechter – aber läuft. Teilweise ist es ein bisschen anstrengend, weil ich es in all den Jahren nicht so richtig gelernt hab, nicht frustriert zu werden, wenn es gerade nicht „flutscht“.

Ich glaub, einer der Hauptgründe, wieso das Schreiben bei mir gelegentlich ein sehr langwieriger Prozess ist, ist die Tatsache, dass mir Sprache viel bedeutet. Ganz generell, meine ich. Mir fallen in gewisser Regelmäßigkeit beispielsweise Dinge in meiner Sprache oder auch in allgemein gängigen Formulierungen und Redewendungen auf, über die ich dann intensiv nachdenke. Damit meine ich weniger problematische Worte, die grundsätzlich nicht genutzt werden sollten. Viel mehr meine ich sprachliche Angewohnheiten, die viele (inklusive mir) haben.

Seit ’ner Weile ist mir das Wort „man“ in etwa nicht mehr so geheuer. Es gibt genau zwei Kontexte, bei denen mich die Nutzung dieses Wortes zumindest hin und wieder stört: 1. Eine Person nutzt das Wort, während sie die eigene Gefühlswelt oder Gedanken beschreibt. 2. Eine Person nutzt das Wort, um die Schwere dessen, was sie getan oder gesagt hat, zu entkräften.

Der erste Punkt ist natürlich erstmal kein zwangsläufig negativer. Er signalisiert gewissermaßen den Wunsch danach, von seinem Gegenüber verstanden zu werden. Es kann jedoch auch signalisieren, dass manches von jedem gleich gehandhabt oder gefühlt wird und ich bin ein absoluter Verfechter der Individualität des Menschen. Ich glaube, wenn ich von MEINEM Empfinden spreche, sollte ich auch in der Sprache eindeutig sein. Wenn ich z.B. sage „so ein Album zu schreiben ist gar nicht so einfach, weil man immer wieder neue Ideen und Konzepte hat und es schwer ist, die Leichtigkeit vergangener Tage noch zu haben“, dann ist das durch und durch ausschließlich basierend auf meiner Geschichte. Aber das „man“ suggeriert, dass es Singer-Songwritern grundsätzlich so geht, was tatsächlich ein wenig anmaßend ist. Sprich von dir, Alta! Nicht von „man“! Ja, das ist jetzt seeeeehr starkes Suchen nach der Nadel im Heuhaufen, ich weiß.

Der zweite Punkt ist schon etwas ernstzunehmender in meinen Augen. Da spielt dann nämlich ein wirklich eindeutiger psychologischer Faktor mit rein. Sowas wie „und die Beziehung bei uns läuft irgendwie nicht so und dann holt man sich die Bestätigung woanders.“ Nein ey! DU suchst dir die Bestätigung woanders und willst mir jetzt mit ’nem rhetorischen Trick dein Fremdgehen als was logisches verkaufen. Ja, manche Leute nutzen dieses Wort auch, um nicht (vollständig) für ihr Fehlverhalten geradestehen zu müssen.

Wenn ich meinen Satz mit „man“ beginne, impliziert das immer, es gäbe eine Art common sense über das, was ich anschließend erzähle. Dadurch erschummle ich mir eventuell das Verständnis anderer und nehme mich selbst ggf. aus der Schusslinie.

Vielleicht interpretiere ich auch zu viel da rein. Momentan versuche ich jedenfalls das Wort weitestgehend zu meiden, wenn ich etwas von mir erzähle. Sehe ich das in ’nem Jahr wieder anders? Mag sein! Bin ja auch nur ein Mensch, der irgendwie probiert, einen Reim aufs Leben zu finden. Geben, neben, streben, heben, schweben, STOP!

Hoffe, ihr hattet einen guten Start ins zweite Zwölftel des Jahres 2022. Bruchrechnen kann ich.

Bis nächste Woche, Aldaaaaaaaaa!

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25.01.2022

„(…) Schon komisch, als Kind dachte ich, ich gewöhn‘ mich dran. Später hab ich ’n Mic, ihre dummen Sprüche übertön‘ ich dann. Ich sei zu empfindlich, niemand greife mich persönlich an. Außerdem bekam ich doch häufig Lob dafür, wie schön ich sang. (…)“

Das war ein kleiner Textauszug aus einem noch nicht veröffentlichten Song namens „Warten“, den ich vor einer Weile geschrieben hab. Hab mir vorgenommen, von nun an jeden Blogeintrag mit einer Passage aus entweder Song oder Spoken Word, der bzw. das auf dem Album zu hören sein wird, zu beginnen. Was soll ich sagen, Leute? Ich bin halt Independent Artist ohne Promobudget und glaube an die Macht der Wörter!

Zugegebenermaßen glauben vermutlich alle Menschen – solche, die gerade das Dschungelcamp gucken mal ausgenommen – an die Macht der Wörter. Ääääähhh, öööööhhhh, üüüüüühhhh! Das war voll herablassend und ich habe gerade eine Gruppe Menschen stigmatisiert, indem ich ihnen, aufgrund ihrer Vorliebe für Trash-TV, fehlenden Intellekt unterstelle! Dabei tu ich das nicht. Ich werfe ihnen nur vor, dass sie Menschen, die man nicht kennen sollte, bei Dingen, die man nicht sehen sollte, zuschauen und es im schlimmsten Fall noch damit begründen, dass es „lustig“ sei „wie dumm die da alle sind“. Außerdem stört euch das mit der Stigmatisierung von Menschen ja auch nicht, wenn jemand als bildungsferner Rechter gilt, bloß weil er nicht geimpft ist.

An der Stelle ein Shoutout an den Bruder Homiekron. Auf dass du Teil der Lösung wirst, wie ein Ex-Junkie, der heute Präventionsarbeit leistet. Leise Hoffnung scheint man ja haben zu dürfen.

Tatsächlich hat der Gedanke oder vielleicht eher die Fragestellung, die ich heute mit euch teile, auch ein bisschen mit Homiekron – besser gesagt mit den aktuellen Regelungen – zu tun. Dazu muss ich euch zunächst eine Situation skizzieren. Vor einigen Tagen erzählte mir einer meiner Jungs, dass sein Friseur freiwillig auf 2G setzt, obwohl Friseursalons offiziell erlaubt ist, das 3G-Modell anzuwenden. Ich hab natürlich keine Ahnung, weshalb dieser Salonbesitzer von sich aus potentielle Kunden ablehnt. Das ist für mich aber auch nicht der interessante Punkt der Story. Für mich war interessant, DASS so ein Besitzer entscheiden darf, im Rahmen der möglichen Regelungen, die folgendermaßen lauten: 2G, 2G+ und 3G.

Eine Option, die nicht besteht, ist 1G, wobei die 1 dann für „getestet“ stünde. Also nochmal ein theoretisches Szenario einfach erklärt: Ich hab einen Friseursalon. Ich möchte, dass sich ALLE Kunden vorher testen lassen. Verlangen darf ich das jedoch nur, wenn ich ausschließlich Geimpften und Genesenen den Zutritt gewähre (2G+). Ab dem Moment, wo ich auch Ungeimpften erlaube, meinen Laden zu betreten, darf ich von Geimpften und Genesenen kein negatives Testergebnis mehr einfordern.

Wenn ich an dieser Stelle falsch liegen sollte, bitte ich euch ausdrücklich darum, mir das mitzuteilen. Ich bin bloß auch während meiner Recherche – oder lasst es uns einfach googlen nennen – auf nichts gestoßen. Sollte ich mit meiner Interpretation der Lage richtig liegen, wäre das im nur denkbar negativstem Sinne KRASS! Geboosterte Personen über frisch Geimpfte zu stellen ist unlogisch. Gewissen Gruppen Privilegien zugestehen (wie bei 2G) ist moralisch verwerflich. Einem Ladenbesitzer nicht die Möglichkeit zu lassen, von allen Menschen, die seinen Laden betreten, einen Test zu verlangen und stattdessen nur von einer Gruppe, ist fahrlässig und reine Schikane. Fahrlässig, weil es zwangsläufig sicherer ist, wenn alle getestet sind, als wenn nur einige getestet sind (wie bei 3G) und Schikane, weil ein Geimpfter mit dem Virus anscheinend nur ein Problem darstellt, wenn keine Ungeimpften anwesend sind (wie bei 2G+). Letzteres widerspricht im Übrigen dieser Erzählweise von „wir müssen die Ungeimpften schützen“ komplett.

Und nochmal zusammengefasst:

  • 2G+ = Geimpfte und Genesene sollen einander nicht anstecken können.
  • 3G   = Geimpfte und Genesene können (getestete!) Ungeimpfte ruhig anstecken.
  • 1G   = Alle wären getestet, aber ist keine Option, weil Geimpfte und Genesene dann keine erkennbaren Privilegien mehr genießen würden.

Wie bereits vorhin erwähnt, bitte ich euch ausdrücklich darum, mich zu korrigieren, wenn ich mich irren sollte!

Hab mich jetzt auch genug aufgeregt. Dabei bin ich doch eigentlich derbe gut drauf! Ich hab mich voll verändert, alle sagen das. Hoffentlich sagen wir das dank Homiekron bald auch über Corona, ey.

Bis nächste Woche, meine Nutella-ohne-Butter-Esser!

(Ich teile Menschen nämlich nur in zwei Lager ein: Die, die Nutella ohne Butter essen (die Guten). Und die, die Nutella mit Butter essen (die Dschungelcamp-Gucker.)

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18.01.2022

HALT, STOP! JETZT REDE ICH!

Und ich starte diesmal mit einer kurzen Erklärung. Ich wurde nämlich letzte Woche gefragt, weshalb ich so oft die Redewendung „der Boy“ nutze, wenn ich in der dritten Person von mir schreibe. Diese Formulierung ist selbstverständlich eine Anspielung auf den größten Künstler unserer Zeit: Moneyboy.

Solltet ihr mit Moneyboys großartiger Kunst noch nicht vertraut seid, solltet ihr euch zunächst schämen und dann unbedingt in den Genuss seiner legendären, geistreichen Musik kommen. Ich empfehle besonders das Stück „Choices“.

Da ich mit dieser Erklärung nun sowohl meinem Bildungsauftrag nachgekommen bin als auch einen kulturellen Beitrag geleistet hab, könnte ich meine Arbeit für heute als getan erachten. Aber so ignorant möchte ich dann doch nicht sein.

Das Problem ist, dass ich zugegebenermaßen gerade nicht allzu viel neues zu erzählen hab. Meine letzte Woche beinhaltete nur Themen wie eine baldige Zahnentfernung beim Kieferchirurgen, zwei auslaufende Kreditkarten und dem Warten auf relevante NBA-Trades. Ich würde lügen, wenn ich sagte, ich hätte eine sehr kreative und einfallsreiche Zeit hinter mir. Das Beste, was ich in den letzten Tagen kreiert habe, waren meine Pancakes am Wochenende. Aber die sind ohnehin schwer zu toppen #selbstschulterklopfer

Die Ironie des Lebens wollte es so, dass ich in eine kleine Schaffenskrise geraten bin, direkt nachdem ich einen Blog über das Wertschätzen des eigenen Wegs geschrieben hatte. Tatsächlich sitze ich hier zu diesem Zeitpunkt auch seit über zwei Stunden und weiß nicht so recht, was ich von mir geben soll, weil mich der von mir selbst erzeugte Druck (den ich ja soooooooo liebe) künstlich stresst. Ich glaub, das Schwierigste am Prozess des Schreibens ist für mich, mein Anspruch auf Echtheit. Also ob albern oder ernst, ob positiv oder negativ, ob hart oder weich – ich möchte etwas Echtes von mir geben. Wenn ich darüber schreibe, dass ich beginnen muss, meine Kunst zu mögen, dann ist es echt. Wenn ich darüber schreibe, dass ich 2G als Faschismus empfinde, dann ist es echt. Wenn ich darüber schreibe, dass Hanuta besser als Knoppers ist, dann ist es echt.

Und ja, ich hätte mir in den letzten Stunden bestimmt etwas „deepes“ überlegen können, um hier darüber zu philosophieren. Aber das wäre halt nicht echt gewesen. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.

Drückt mir die Daumen, dass in den nächsten Tagen mehr passiert. Andernfalls wird der heutige Text am kommenden Dienstag gecopypastet (wenn das ein Wort ist).

Bevor ich mich verabschiede, will ich euch aber doch noch auf etwas sehr wichtiges aufmerksam machen. Nämlich auf AiDiA – dem ersten afrodeutschen Startup Pitch Event. Das Ganze soll der Förderung von Schwarzen Entrepreneurinnen und Entrepreneuren dienen, die in unserem sooooo fairen und liberalen Deutschland nach wie vor benachteiligt werden. Sponsoren gibt es bereits einige namhafte, aber es werden nach wie vor weitere gesucht. Wenn ihr also bei einer wirklich schönen und wichtigen Sache helfen möchtet, findet ihr mehr Infos hier. Und nein, ich bin nicht weiter in das Projekt involviert o.ä.. Ich halte es einfach für wichtig und ECHT.

Bis nächste Woche, yoooo!

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11.01.2022

Sheeeeesh! Der Boy meldet sich heute tatsächlich schon am frühen Abend zu Wort. Aber nicht, weil er es sich vorgenommen hat, sondern aus anderen Gründen. Aus welchen fragt ihr? AUS GRÜNDEN!

Jetzt ist also schon wieder ein Drittel des Januars um. Die Zeit rennt offensichtlich nach wie vor schneller als Usain Bolt. Die Welt steht nach wie vor still und bewegt sich nicht vom Fleck, als hätte man diesem Glashaus-Song von 2005 in den letzten zwei Jahren gehorchen wollen. „Haltet die Welt aaaaaaaannn.“ Wisst ihr noch? Wie auch immer.

Eigentlich bin ich niemand, dem es Angst macht, wenn die Zeit zu fliegen scheint. Ich hab auch keine Angst vorm älter werden. Wenn ich mit 33 plötzlich ’nen Gehstock benötigen sollte, hätte ich bestimmt ein paar Fragen, aber ansonsten fürchte den körperlichen Verfall nicht. Obwohl. Gestern durfte ich erfahren, was so ein paar Monate ohne vernünftiges Cardio-Programm mit einem 30-Jährigen und seiner Kondition anstellen. Auf einmal gleicht ein Warm-Up einer Nahtoderfahrung. Das war echt mal anders.

Der einzige Aspekt, der das schnelle Voranschreiten der Wochen und Monate aktuell ein wenig unangenehm für mich gestaltet, ist selbstverständlich der, dass ich gern einiges fertig kriegen würde bis idealerweise Mitte des Jahres. Offensichtlich meine ich damit das Album (aber nicht nur). Gleichzeitig liebe ich diesen Druck. Könnte daran liegen, dass ich weiß, dass er in erster Linie von mir selbst ausgeht. Ich hab auf jeden Fall bislang fast immer die Erfahrung gemacht, dass ich am besten abliefer, wenn der Druck besonders groß ist.

Ich schreibe gerade an sehr vielen Songs und Spoken Words. Besonders textlich probiere ich überall den nötigen Feinschliff vorzunehmen, um am Ende ausschließlich Werke da zu haben, die ich von A bis Z gut finde. Was soll ich sagen? Ich liebe diesen Nerdy Shit halt. Das ist das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich an etwas arbeite und es weitestgehend schaffe, mich nicht während des Prozesses zu viel mit dem zu beschäftigen, was am Ende mit diesem Projekt passieren könnte. Vor ein paar Monaten hätte ich nicht damit gerechnet, nochmal an einen Punkt zu kommen, an dem es mir möglich ist, mich nicht von den „wahrscheinlichen Szenarien“ demoralisieren zu lassen. Denn auch wenn ich es bekanntlich nie drauf angelegt oder abgesehen hatte, um jeden Preis zu gefallen, ist es dennoch schmerzhaft, wenn man als Künstler das Gefühl hat, nicht wirklich anerkannt und wertgeschätzt zu werden. Andererseits glaub ich heute, mir hätte all das in der Vergangenheit weitaus weniger ausgemacht, wenn – Vorsicht hier kommt wieder eine pathetisch-pseudo-deepe Erkenntnis – ich mich selbst als Künstler wertgeschätzt hätte. Ja, dieses Thema Selflove ist allgegenwärtig und ich will es auch gar nicht auf inkompetente Weise vertiefen. Doch während ich mit riesengroßen Schritten Richtung Opa-Dasein laufe, bevor ich überhaupt Papa bin, ist mir kürzlich eine Sache bewusst geworden. Mein immer wieder erklärtes Ziel war und ist es, irgendwann ein Künstler zu sein, den ich selbst feiern würde. Ich halte dieses Ziel nach wie vor für ein sinnvolles und gesundes. Es bedeutet nur konsequenterweise auch, dass es geradezu unmöglich für mich ist, den Künstler zu feiern, der ich in diesem Moment bin. Und da mit Sicherheit niemals der eine Tag kommt, an dem ich mich auf einmal gut finde, besteht die schwierige Aufgabe für mich darin, mich jetzt anzufangen, gut zu finden. In klitzekleinen Schritten. Ich muss mich künstlerisch weiterentwickeln, dabei jedoch meine Weiterentwicklung registrieren und anerkennen und währenddessen meinen parallel wachsenden Anspruch an mich selbst nicht permanent die Oberhand gewinnen lassen. Wenn ich mir heute nicht besser gefallen kann als vor fünf Jahren, obwohl ich besser bin als vor fünf Jahren, dann bringe ich mich fast schon vorsätzlich um das Gefühl, vorangekommen zu sein. Und ja, vermutlich komme ich nie am Ziel an. Aber ich bin unterwegs und will ihm zumindest näherkommen. Alles andere wäre ja eine Endlosschleife. Und ich glaub, Erfahrungen mit so ’ner Endlosschleife haben wir in den letzten zwei Jahren zu viele gemacht!

Sorry für den philosophischen Stoff hier, aber ich werde mich nicht entschuldigen!

Bis nächste Woche meine süßen Turbo-Kapitalisten <3

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04.01.2022

Ein frohes neues Jahr, ihr Lieben! Pünktlich um kurz vor Mitternacht setze ich mich zum ersten Mal im Jahr 2022 an meinen innig geliebten Blog, damit ich mir selbst nicht sagen muss, ich hätte ihn nicht an einem Dienstag geschrieben. Dass er vermutlich erst nach Mitternacht das erste Mal gelesen (oder von mir gepostet) wird, ist dabei natürlich zweitrangig. Ich hoffe, ihr konntet 2021 schön ausklingen lassen und seid motiviert in 2022 reingerutscht.

Ich hatte heute meinen ersten ernsthaft produktiven Tag in diesem Jahr, was ganz okay ist, da wir erst den 4. Januar haben und die ersten zwei Januartage auf ein Wochenende gefallen sind. Ihr seht, Ausreden finden habe ich nicht verlernt. Jedenfalls läuft meine Ernährung seit zwei Tagen vorbildlich!

Es gibt eine Nachricht, die ich heute gelesen hab und unbedingt mit euch teilen will. Schon mal was vom Rapper NLE Choppa gehört? Ich auch nicht. Keine Ahnung wie seine Musik ist. Aber darum geht’s hier gerade auch nicht. Vorhin hab ich einen Post gelesen, in welchem darüber berichtet wurde, dass besagter Herr ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Keine Sorge, er schwebt nicht in Lebensgefahr. Ich möchte euch aber gern mitteilen, weshalb er dort gelandet ist. Er hat nämlich am Morgen seiner Einlieferung ins Krankenhaus eine 90-tägige Diät begonnen. Aber natürlich nicht irgendeine Diät. Nein. Unser neues Lieblings-Fanta-zum-Frühstück-Kind entschloss sich dazu 90 Tage lang ausschließlich Milch aus Damenbrüsten (aka Muttermilch) zu trinken. Wisst ihr, mich interessiert gar nicht, was in seinem Magen oder Darm oder sonst wo dazu geführt hat, dass er ins Krankenhaus musste. Mich interessiert sein Hirn. Also seine Gedanken. Ich will sie verstehen. Ernsthaft. WAS ZUM TEUFEL IST DA LOS GEWESEN?! Egal. Ich möchte mich dieses Jahr weniger aufregen. Insbesondere, wenn es um Menschen geht, die ich eh nicht kenne. Ich kann ja nichts machen. Wie soll ich so jemandem mein Unverständnis demonstrieren? Soll ich ihm auf Instagram folgen und wieder entfolgen, damit er sieht, was er davon hat?

A propos „was er davon hat“. Wisst ihr, was euer Boy davon hat, dass er seine Restjahresvorsätze ernst genommen hat? ’ne saubere Mikrowelle und ein final eingerichtetes neues Mac Book, ZWINKERSMILEY! Das ist zwar nicht alles, was auf meiner Liste stand, aber don’t hate the player, hate the game. Wer auch immer „the game“ in diesem Fall ist. Hate it or love it. Kein Kontext mehr. Faden verloren. Egal. HipHop-Fans verstehen. Oder auch nicht. CALIFORNIA LOOOOOVE, de-de-de-dim! Stop.

Ihr merkt wahrscheinlich, dass ich gerade nicht so viel zu erzählen hab. Ist noch nichts passiert dieses Jahr. Den Burschen mit Ödipus-Komplex mal ausgenommen. Nächste Woche hab ich bestimmt wieder was zu berichten. Wenn nicht, mache ich mir Twitter und folge dort dann Leuten, um sie auf diesem Blog im Nachhinein zu beschimpfen. Für die good vibes.

Bis nächste Woche, ihr Schnuckel!

 

P.S.: Falls ihr was zum Lachen braucht, kann ich euch Michael Che’s letztes Netflix-Special „Shame the Devil“ ans Herz legen. Böser Humor mit schönen Botschaften.

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28.12.2021

Boah, bevor ich euch nachträglich frohe Weihnachten wünsche, muss ich euch kurz dieses Alicia Keys Medley hier verlinken, das ich gerade gesehen hab. Zwei der schönsten Songs, die je geschrieben wurden, von meiner All Time Favorite Künstlerin. Angucken und anhören lohnt sich. Mag sein, dass Beyoncé die krassere Show macht und ’ne heftigere Range hat. Aber Alicia ist für mich auf der emotionalen Ebene unter allen weiblichen Acts nach all den Jahren noch immer die Nummer eins.

So und jetzt: Frohe Weihnachten nachträglich. Ich hoffe, ihr hattet ein schönes Fest!

Drei Tage vor Silvester fühle ich mich seltsamerweise weniger melancholisch und nachdenklich, als es sonst in dieser Zeit des Jahres bei mir der Fall ist. Seltsam ist es, weil 2021 im Großen und Ganzen eines der schlechtesten, negativsten Jahre war, an die ich mich erinnere. Wie im Eintrag von letzter Woche bereits erwähnt, hatte ich jedoch einen sehr schönen Dezember. Und mit großer Sicherheit ist dieser Dezember auch der Grund, weshalb ich das Gewehr, das ich schon an 2021’s Kopf positioniert hatte, wieder im Schrank verstaut hab. (Damit keine Missverständnisse auftreten: Ich habe hier das Stilmittel der Personifikation benutzt, um meine Antipathie für dieses Jahr zum Ausdruck zu bringen. Ich besitze auch kein Gewehr.) Fühle mich jedenfalls irgendwie erschreckend friedlich gerade und freue mich einfach sehr auf die nächsten Monate.

Wo wir gerade dabei sind: Was steht nun eigentlich genau an in den nächsten Monaten bei mir? Das Album habe ich fast schon inflationär oft erwähnt. Insofern NASSING NJU. Kann ich bereits ein paar kleinere Infos geben? Jein. Ich kann euch noch kein Datum oder die letztendliche Anzahl der Stücke nennen. Aber der Titel steht schon länger. Das Album wird „Worte und Melodien“ heißen und vor allem aus diesen zwei Komponenten bestehen. Jetzt seid ihr gar nicht schlauer geworden, was? Sorry. But what else? Ich habe mir fest vorgenommen, einen neuen Podcast zu starten, für welchen ich seit mindestens zwei Jahren schon die Idee habe. Bisher hat der ein oder andere von euch schon mal in den Podcast „Stilles Wasser“ reingehört, in welchem ich mich in unregelmäßigen Abständen mit Joy Homadi-Sewor und Philipp Epha speziell übers Thema Rassismus unterhalte. Hier könnt ihr unsere bisherigen Episoden auf den gängigen Portalen finden. Mein eigener Podcast wird in eine ganz andere Richtung gehen. Aber genaueres teile ich euch mit, wenn es soweit ist.

Und sonst? Mein Brudi Aykut Akcil aka Tuni Toots und ich haben seit ’nem guten Jahr ein fertiges Skript für einen Kurzfilm auf unseren Desktops rumliegen, welches wir bislang dank Corinna noch nicht in Angriff nehmen konnten. Vielleicht haben wir 2022 ja ein kleines bisschen mehr Glück und können dieses Projekt finalisieren.

Dazu kommen die klassischen Neujahresvorsätze. Besser ernähren, mehr Sport (wobei das nie ein Problem war), Bücher lesen, die Welt retten. Das Übliche halt. Eigentlich habe ich so viele Ideen, was ich gern an kreativen Projekten machen würde. Zusätzlich zu den bereits genannten. Aber mein Konto ist nicht so motiviert wie ich. Wenn ich ganz ehrlich bin und komplett ohne zynischen Unterton, muss ich zugeben dass sich dieses Album für mich wie eine Art letzte Chance anfühlt, die ich mir selbst gebe, um mir zu zeigen, dass das, was ich tu, von Bedeutung ist. Klingt voll dramatisch und ist auch auf keinen Fall gleichbedeutend mit „wenn das nicht funktioniert, hör ich auf“, weil ich eh nie aufhören werde. Ein alter Musikerfreund von mir sagte vor einigen Jahren mal schön: „Ich mache das hier nicht mal unbedingt, weil ich es will, sondern weil ich nicht anders kann.“ Ich fühle diese Worte bis heute so sehr. Also ich werde immer schreiben und singen und all das. Aber ich weiß nicht, wie ich mir – gerade in so ungewissen Zeiten wie aktuell – zukünftig noch leisten kann, alles immer wieder in Eigenregie zu tragen. Und „leisten“ ist in vielerlei Hinsicht zu verstehen.

Ich will hier gar nicht das Opfer spielen oder auf die Tränendrüse drücken. Das hier ist bloß mein Blog und als ich vor zweieinhalb Monaten damit anfing, ihn zu schreiben, habe ich mir vorgenommen, immer real und ehrlich zu sein. So wie es auch in meiner Kunst immer mein Anspruch war. Deshalb erzähle ich auch von den nicht so schönen Dingen. Wie heißt es gleich? Das Leben ist nicht nur Burger und Kinder Bueno, sondern manchmal auch Rosenkohl und Chiasamen.

Aber nochmal. Ich freue mich so sehr aufs nächste Jahr wie vielleicht noch nie. Mir fließt geisteskrank viel Energie durch Körper und Geist. Ich hoffe, ihr geht auch positiv ins neue Jahr!

Und zum Abschluss verlinke ich euch HIER meine Spotify-Playlist mit meinen Lieblingssongs des Jahres. Musikalisch war 2021 definitiv krass!

Sorry für die vielen Verlinkungen heute, aber ihr klickt so viel Müll am Tag an, dass ich auch mal spamen durft. Ich bin mir keiner Schuld bewusst.

Wünsche euch allen einen guten Rutsch und ein schönes Silvesterfest, bei dem wundervollerweise wenige Leute Gefahr laufen, ihre Hände zu verlieren. Ihr werdet von mir lesen! Bis bald, meine speckummantelten Datteln <3

 

P.S.: Wie liefen und laufen eigentlich die Restjahresvorsätze bei euch?!

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21.12.2021

Drei Tage bis Heiligabend, zehn Tage bis Silvester. Dieses Jahr neigt sich dem Ende entgegen. GOTT SEI DANK!

Tatsächlich konnte ich es die letzten Monate echt kaum erwarten, 2021 hinter mir zu lassen. Dann kam der Dezember und der sollte einige extrem unerwartete, schöne Ereignisse für mich bereithalten. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich mich nicht trotzdem freue, mit diesem Jahr abzuschließen. Aber ich hoffe sehr, 2022 knüpft an diesen Dezember an.

A propos gutes Jahresende: Omikron sieht das offensichtlich auch so und hat sich die Rolle des Rockstars auf Welttournee zugeschrieben. Und Omikron ist verrückterweise nicht ausschließlich an Ungeimpften interessiert, hört man. Ungeimpfte sind diese Leute, die sich seit einiger Zeit nicht in ein Café um die Ecke begeben dürfen, um sich einen COFFEE TO GO zu holen. Ihr wisst schon. Diese Leute, die so gefährlich sind. Nicht die anderen, die in überfüllten Clubs ohne Masken und Abstände eng aneinander tanzen und Barkeepern bei Bestellungen ihre Kaugummis, die ihre Alkoholfahne überdecken sollen, ins Gesicht spucken.

Jedenfalls hat Omikron uns nun einen Lockdown Light beschert, wie heute bekannt wurde. Ab 28. Dezember gelten erst einmal wieder strengere Regeln. Das heißt, übers Weihnachtswochenende können alle nochmal richtig auf die Kacke hauen und es sich in ihren Lieblingsdiscos gut gehen lassen. Habe jetzt mehrere Stories auf Instagram und Facebook gesehen von Leuten, die exakt dazu aufrufen. Das ist bestimmt diese Solidarität, von der so oft gesprochen wurde. Gerade nochmal nachgeschaut: Hamburg hatte am heutigen Dienstag einen Rekordwert von über 1300 Neuinfektionen an einem Tag. Das wird sicherlich an diesen egoistischen Ungeimpften liegen, die am Wochenende zu viel spazieren waren bei teilweise Minusgraden.

Ich weiß, ich bin wieder sehr zynisch. Ich wollte mich auch ganz im Ernst nicht mehr übers Thema Corona äußern auf diesem Blog, weil man eh schon überall damit konfrontiert wird. Ich konnte nur nicht anders. Bin btw mittlerweile selbst geimpft, falls mich hier irgendwer zu Attila Hildmann machen will. Bin und war nie ein Impfgegner. War und bin ein Gegner des Umgangs mit dem Thema innerhalb dieser Gesellschaft. Ich halte 2G nach wie vor für moralisch mehr als fragwürdig und werde definitiv keinen Gebrauch von meinem „Privileg“ machen, Dinge tun zu dürfen, die jemand anders nicht tun darf. Vor allem nicht, wenn es lediglich dem Zweck dienen soll, irgendeinen zusätzlichen Alltagsluxus zu genießen. Das ist im Übrigen meine Vorstellung von Solidarität. Aber das kann ja jeder anders bewerten.

Doch jetzt mal wieder zu etwas positivem. Mir kam heute eine Idee. Wir sprechen ja immer von den guten alten Neujahrsvorsätzen. Diäten, mehr Sport, Keller entrümpeln, dem Nachbarn die Nase brechen für seinen schlechten Musikgeschmack. So ein Kram halt. Und vorhin dachte ich mir, dass ausgehend von morgen (22. Dezember) es insgesamt noch zehn ganze Tage in diesem Jahr gibt, die man produktiv nutzen könnte. Genug zu tun gibt’s ja immer. Deshalb hab ich so ’ne kleine Liste mit nervigen To Dos zusammengestellt, die ich bis Neujahr abgehakt haben will, um letztendlich mit weniger Ballast in 2022 zu starten. Muss auch nicht gleich die ganze Steuererklärung fürs nächste Jahr sein, sondern vielleicht bloß den Desktop aufräumen, CDs sortieren (Grandpa things), ein paar Arzttermine vereinbaren für die nächsten Monate. Was auch immer ihr noch so vor euch hinschiebt und irgendwie nie macht, obwohl der Aufwand nicht der Rede wert ist. Ich habe dieses Prozedere RESTJAHRESVORSÄTZE getauft. Hatte ich schon kreativere Einfälle für Namen? Ja. Bin ich hier der Boss und kann den Namen geben, den ich für richtig halte, auch, wenn ich dies nur tu, weil mir nichts besseres einfällt? JA!

Ich persönlich richte morgen mein vorhin geliefertes neues Mac Book Pro komplett ein, damit ich die Arbeit an meinen Songs endlich weiter intensivieren kann. Das habe ich jetzt natürlich viel zu verfrüht aus Promo-Gründen bezüglich meines kommenden Albums erwähnt. Anzeigen schalten wäre zu einfach gewesen, Aldaaaa!

In diesem Sinne verabschiede ich euch in die Weihnachtsfeiertage und hoffe, ihr könnt the most wonderful time of the year den Umständen entsprechend genießen. Vielleicht nehmt ihr ja sogar noch ein paar Restjahresvorsätze in Angriff.

Ich (zungen-)küsse eure Augen, meine Gremlins. Bis nächste Woche zum Jahresabschluss inklusive Best of 2021 Playlist zum Hören.

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14.12.2021

Hab gerade mal nachgeschaut. Das hier ist der drittletzte Blogbeitrag des Jahres 2021 aka 2020 Vol.2! Da steht die Welt still seit zwei Jahren, aber die Zeit rennt trotzdem so schnell wie noch nie. Warum zum Teufel ist das so?! Keine Ahnung. Aber zum richtigen Jahresrückblick kommen wir dann nochmal in 14 Tagen.

Momentan bin ich super nostalgisch. Ich weiß, es ist auch ein Stück weit der Zeitgeist gerade. Die Leute holen sich eine neu aufgelegte Super Nintendo mit USB-Kabel, um ihrem zehnjährigen Ich das Geschenk zu machen, was sich ihre Eltern damals nicht leisten konnten. Anderson Paak und Bruno Mars bringen als Silk Sonic ein Album (das btw unfassbar ist) im Motown-Sound raus und veröffentlichen das Ganze unter anderem auf Kassette. „TV Total“ und „Wetten, dass…“ feiern ihre Fernseh-Comebacks. All das mag auch einen Teil zu meinem Empfinden beitragen. Und ja, ich war schon immer ein Nostalgie-Freund. Aber momentan ist heftig, Bro. Ich verspüre so ’ne aufrichtige Sehnsucht, bin fast schon wehmütig.

Ich glaub, die Pandemie spielt in dieser Hinsicht eine nicht unwesentliche Rolle. Durch die eigentlich durchgehende Konfrontation mit unzufriedenstellenden Zuständen, fällt es wahnsinnig leicht, die Vergangenheit zu glorifizieren. „Früher war alles besser“ behauptet doch eigentlich nur der grenzrechte Udo von nebenan, wenn er mal wieder darüber schwadroniert, was er in alten Zeiten alles hätte sagen dürfen, ohne, dass es ihm jemand vorhält. Früher war natürlich nicht alles besser. Früher war sogar vieles schlechter. Beispielsweise gab es mehr Udos. In der Retrospektive beschönigt man dennoch einiges. So viel ist klar. Aber ist die aktuelle Affinität zu bereits Vergangenem wirklich ausschließlich auf das Prinzip „man will immer, was man nicht haben kann“ oder „man vermisst Dinge erst, wenn man sie nicht mehr hat“ zurückzuführen? Irgendwie denk ich das nicht. Ich denke, ich verspüre vor allem deshalb so ein Bedürfnis, wieder in einer bereits hinter uns liegenden Zeit zu leben, weil ich weiß, was es damals NICHT gab. Es gab z.B. keine permanente Reizüberflutung durchs Smartphone bzw. das Internet an sich. Ich könnte nicht rund um die Uhr mit Infos überladen werden. Und natürlich ist mir, wenn ich kurz fünf Minuten in Ruhe nachdenke, klar, dass diese Dinge nicht nur Fluch, sondern auch Segen sind. Aber wenn man sich bereits in der X-ten Welle einer Pandemie befindet und vergeblich Ausschau nach dem letzten Fünkchen Hoffnung hält, kann der Blick durchaus auch mal zurück wandern in die Vergangenheit. Denn die kenne ich. Also nein. Ich kenne die 90er nur bis zu meinem neunten Lebensjahr und meine Faszination für dieses Jahrzehnt rührt einzig und allein von klitzekleinen Erinnerungen an die Power Rangers, Michael Jordan, die Backstreet Boys und Kellog’s. Aber das sind halt alles positive Sachen (auch die Backstreet Boys! Seid ehrlich zu euch selbst!), die so ’ne Leichtigkeit vermitteln. Und wenn mir eines seit mehreren Monaten immer mehr abhanden kommt, ist es meine Leichtigkeit. Corona ist eben schwer. Und Corona hat auch noch mehr Ausdauer als N’Golo Kante.

In genau diesem Moment schreibe ich diesen Text hier mit starken Kopfschmerzen. Ich muss kein Arzt sein, um zu wissen woher sie kommen. Sie kommen vom stundenlangen Starren auf Displays. Ob Laptop oder Handy. Seit Beginn der Pandemie verbringen wir alle fraglos noch mehr Zeit mit diesen Geräten als wir es ohnehin schon taten. Wir werden bombardiert mit Inzidenzzahlen, Impfquoten, sich stetig ändernden Maßnahmen, Regeln und vor allem Meinungen. Und ich will an dieser Stelle nicht groß bewerten ob gut oder schlecht, falsch oder richtig. Wie auch immer man es sehen mag. Es ist VIEL. Und wenn etwas viel ist, beginnt es irgendwann sich schwer anzufühlen. 1000kg Federn sind immer noch 1000kg.

Man könnte jetzt natürlich Mutmaßungen anstellen, wie wir diese Pandemie wahrnehmen und handlen würden, wenn wir gerade das Jahr 1995 hätten und wirklich nur abends in der Tagesschau Infos erhielten. Finde die Vorstellung gleichzeitig gruselig und charmant. Aber da er gleich platzt, versuche ich mir das nicht weiter durch den Kopf gehen zu lassen.

Hab meinem Bruder zu seinem Geburtstag im Juni übrigens einen Walkman und ’ne Kassette von 2Pacs letztem Interview geschenkt. Irgendwie wünschte ich, ich hätte das Zeug selbst behalten. Dann könnte ich das Silk Sonic Album darauf hören und müsste nicht immer noch auf die hoffentlich erscheinende Vinyl warten. Ja, hab ’nen Plattenspieler. Scheiß Streaming! Scheiß Handy! Scheiß Corona!

Fühlt euch auf eure McDonald’s Augenbrauen geküsst und schaut euch bei Gelegenheit mal den Prinz von Zamunda an, um ein bisschen in authentische Weihnachtsstimmung zu kommen. Eddie Murphy bleibt der King!

Bis nächste Woche.

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07.12.2021

Wir tun jetzt einfach mal so, als hätte es letzte Woche einen Blogeintrag gegeben, damit ich mich an dieser Stelle nicht rechtfertigen muss. Okay? Cool!

Euer Espresso Macchiato schlürfender Zyniker vom Dienst heißt euch endlich in der Adventszeit willkommen. Es schneit, wir werden fetter und Kevin ist seit 31 Jahren allein Zuhaus. A propos Espresso Macchiato. Ich habe mir einen Espressokocher zugelegt! Denn obwohl ich mich in den letzten Jahren zu einem echten Espresso-Liebhaber entwickelt hab, besaß ich bislang rein gar nichts, was darauf hätte schließen lassen. Für mich fand Kaffeekonsum nur in Gesellschaft und zu 95% der Zeit in meinem Stammcafé statt. Naja, bin jetzt eingeknickt. Und ich muss sagen, mein Espresso ist gar nicht mal so gut. Als Schulnote ’ne stabile 5+. Das Plus kommt, weil ich die Bemühung registriere, sie aber nicht ernsthaft wertschätze. Schlechter Espresso ist halt schlechter Espresso. Da muss ich ehrlich zu mir selbst sein. Aber ich werde an mir arbeiten!

Den letzten Satz sage ich mir übrigens häufig. Sehr häufig. Womöglich ein bisschen zu häufig. Teilweise sogar in Kontexten, in denen es sowas von irrelevant wäre, wenn ich es tatsächlich täte. Also tatsächlich an mir arbeiten würde. Weil es dabei um Dinge geht, die keinerlei Bedeutung für mich haben. In mindestens 50% der Fälle ist mein vermeintliches Vorhaben also nicht ernst zu nehmen. Das wäre auch nicht weiter problematisch, wenn ich dann nicht Zeit damit verschwenden würde, mich darüber aufzuregen, dass ich nicht an etwas arbeite, was eigentlich keine Rolle in meinem Leben spielt. Absurd, oder? Kann das jemand verstehen oder bin nur ich so ein widersprüchlicher Dude?

Ich bin gelegentlich aber auch konstruktiv und arbeite an Sachen, die für mich von großer Bedeutung sind. Aktuell arbeite ich zum Beispiel an meinem Album! Sheeeeesh, kein handwerkliches Geschick und trotzdem Brückenbauer, der Mann.

Neben der Tatsache, dass es mein erstes richtiges Album ist nach drei EPs in 10 Jahren (sie nennen mich auch Output-König), gibt es noch weitere Besonderheiten. Zum einen mache ich meinen ersten Longplayer, auf dem ich auch eine größere Anzahl an Spoken Words platziere. Wie ihr wisst, habe ich zu dieser Kunstform in den letzten Jahren eine echte Liebe aufgebaut und hab derbe Bock auf so ein richtig experimentelles Projekt.

Zum anderen erschaffe ich erstmalig das gesamte Grundgerüst eines Großprojekts komplett allein. Ich schreibe (nix neues), komponiere, arrangiere und baue die ersten Beatskizzen vollständig in Eigenregie. Bis jetzt habe ich von all diesen Komponenten lediglich das Schreiben immer allein übernommen. Und ich bin jeden Tag aufs Neue fasziniert von den Lernprozessen, die man durchläuft, wenn man sich in eine Situation bringt, in der alles nur in den eigenen Händen liegt. Auf einmal bin ich richtig gezwungen, besser zu werden, um etwas kreieren zu können, das mir selbst gefallen kann. Man hat unendliche Freiheiten im eigenen Schaffen und das macht es dann oft auch kompliziert. Ich bin nun mal echt nur im Schreiben von Worten und Melodien versiert. Viel zu lernen, sag ich euch. Aber es ist im Moment wunderschön, wie beflügelt ich mich durch dieses Vorhaben fühle.

Die Kirsche auf der Torte ist dann noch die Tatsache, dass ich mir den Traum vom ersten Release auf meinem eigenen Label erfüllen werde.

Die nächsten Monate werden wahnsinnig intensiv und arbeitsreich. So viel steht fest. Ich habe mir überlegt, einen Patreon-Account explizit fürs Dokumentieren der Prozesse anzulegen. Für Only Fans sind meine Bikini-Bilder nicht heiß genug. Lasst mich gern wissen, wenn ihr das cool fändet und vielleicht sogar bereit wärt, mich auf Patreon zu unterstützen. Das wäre brutal!

Ansonsten wünsche ich euch süßen Lebküchlein eine schöne Woche und melde mich nächsten Dienstag eventuell wieder ein wenig zynischer zu Wort.

In Liebe,

Lord Voldemort

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23.11.2021

Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Fäustchen? Es ist die böse Hexe von Hänsel und Gretel, Habibi. Einstiege in Blogeinträge? Kann ich.

Seht mir meine Albernheit nach. Ich war gerade ’ne Weile gesundheitlich ziemlich im Eimer. Mental auch. Schwierige, seltsame, unangenehme Zeiten momentan. Und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht den Finger in die Wunde legen würde und mich an dieser Stelle einer kontroversen Frage widme. Diese Frage hat große Teile meines Alltags als Jugendlicher bestimmt. Freundschaften wurden ihretwegen auf die Probe gestellt. Es gab Tage, an denen die Diskussionen so hitzig wurden, dass heutige Impfdebatten dagegen aussehen, wie sich raufende Hundewelpen. Die Frage lautet: Knoppers oder Hanuta?

Ich weiß, was jetzt jeder vernünftige Mensch denkt. Wer entscheidet sich für Knoppers? Aber es gibt diese Leute tatsächlich! Und ich will gar nicht über sie urteilen. Sie haben bloß Unrecht.

Ich möchte es für die unbelehrbaren Knoppers-Fans mithilfe von 3 messbaren Parametern erklären.

  1. Kalorien: Auf 100g hat ein Hanuta sage und schreibe 9 (!) kcal weniger als ein Knoppers.
  2. Fett: Auf 100g hat ein Hanuta sage und schreibe 1,3 (!) g Fett weniger als ein Knoppers.
  3. Geschmack: Ein Hanuta schmeckt besser als ein Knoppers.

Ohne Spaß! Wie kann man nicht erkennen, was für ein in sich stimmiges Produkt so ein Hanuta ist?! Diese zwei knusprigen Waffeln und dazwischen eine doppelt so dicke Schicht kräftiger Kakaocreme mit Haselnussstückchen. Und ja, ich weiß die Hanuta-Leugner argumentieren oft, mit der Vielfalt an Zutaten, die sich in einem Knoppers wieder zu spiegeln scheint. Drei Waffeln, von der eine sogar mit so ’ner Fettglasur überzogen ist, eine Milchcremeschicht, eine Haselnusscremeschicht und Haselnussstückchen. Aber da muss ich doch entgegnen: Ist Quantität wichtiger als Qualität? Mitnichten! Zieht euch mal eine Acoustic-Performance von Craig David an und danach nochmal eine mit ganzer Band. Letzteres ist super. Ersteres ist Weltklasse!

Ja, ein Hanuta ist simpel aufgebaut. Keine Komplexität, keine Fragezeichen. Man weiß, woran man is(s)t (Wortspiel, hihihi). Hanuta ist der zuverlässige große Bruder, der dich im Winter mit dem Schlitten vom Kindergarten abholt. Selbst bei Minusgraden, sorgt er dafür, dass du Spaß hast und sicher nach Hause kommst. Knoppers ist die esoterische Cousine 4. Grades, die sich zweimal im Jahr meint in Südostasien neu zu erfinden und dadurch zwar interessante Dinge zu erzählen hat, aber auch schnell zu viel wird mit ihrem Pseudo-Tiefgang. Man hat sie gern, aber in Maßen.

Ich möchte mich hier nicht als Knoppers-Hasser verstanden wissen. Ich habe in meinem Leben sicherlich zwischen 15 und 20 (Tausend) Knoppers gegessen. Ich mag das Zeug! LeBron James ist auch ein unfassbar guter Basketballer. Aber er ist und wird nie ein Michael Jordan. Und denkt nicht mal eine Sekunde drüber nach, dieses Thema mit mir aufzumachen!

Letztendlich möchte ich nur, dass es jedem gut geht. Wenn du ein positiver Mensch bist, obwohl du Knoppers bevorzugst, kann ich mir kaum ausmalen, was für eine Stimmungskanone du wärst, wenn deine Geschmacksnerven auch noch was vom Leben verstünden. Du könntest die Welt verändern, yo! Und das ist absolut objektiv und realistisch von mir bewertet.

Ich hoffe, ich hab euch jetzt nicht zu krassen Appetit auf Hanuta oder sogar etwas ungesundes wie Knoppers gemacht. Wenn doch, gehen die nächsten 12.000 Kalorien auf meine Kappe. Ich küss eure Nutellaherzen. Nutella ist übrigens wie auch Hanuta von Ferrero. Just sayin‘. Bis nächste Woche.

 

P.S.: Seht bitte, sofern ihr anderer (falscher) Meinung sein solltet, von Hasstiraden und Drohungen ab. Solltet ihr meiner Meinung sein, ist es euch erlaubt.

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16.11.2021

Schon wieder ’ne Woche um. Alter Schwede. Die Zeit fliegt. Aber die Ironie ist, dass ich gar nicht so richtig weiß, warum die Tage so schnell vorübergehen momentan. Meine relativ unoriginelle Antwort auf die alltägliche Frage „Was geht ab?“ lautet seit Monaten „Viel und wenig.“ Irgendwie kann ich den Zustand nicht besser beschreiben. Ich hab noch nie so viel Medien konsumiert (und das ist nur im teilweise negativen Sinne gemeint) wie in den letzten rund eineinhalb Jahren. Ich hab extrem viel erfahren über Gott und die Welt und gefühlt 90% davon wieder vergessen. Das bezieht sich im übrigen nicht allein aufs Thema Corona. Keine Sorge. Ich hab wirklich das Gefühl, viel gelernt zu haben. Vor allem über mich selbst. Ich glaube, ich hab mich sehr weiterentwickelt. Was wiederum deshalb absolut widersprüchlich ist, weil ich mich auch durchgehend so fühle, als stagnierte ich. Als Künstler, als Mensch. Womöglich fühlt es sich wie Stagnieren an, weil dieses Wort oder besser gesagt die Bedeutung dieses Wortes immer meine größte Angst darstellte. Neben Wespen, versteht sich.

Eine Sache, die ich mir in diesen mittlerweile gut 12 Jahren, die ich aktiv Musik mache, angeeignet habe, ist das lange Zehren von kleinen Erfolgserlebnissen. Wie jeder weiß, ist das Künstlerdasein alles andere als beständig und zuverlässig in vielerlei Hinsicht. Und die Qualität, lange Zeit mit wenig auszukommen, ist auf mentaler Ebene mindestens genauso wichtig wie auf finanzieller. Man kann auch emotional verhungern. Die Frage, die sich im Winter 2021 ganz besonders für Künstlerinnen und Künstler stellt, ist bloß „Was wenn alle Ressourcen aufgebraucht sind?“

Ich kenne Leute, die mit dieser Ungewissheit wesentlich besser umgehen als ich. Dabei dachte ich immer, ich könne sehr gut mit Ungewissheit umgehen. Kann ich auch. Aber nur solange sie eine Geldfrage ist.

Letzte Woche kündigte ich an, dass nächstes Jahr mein erstes Album kommt. Das wird es. Aber warum kam es nicht schon längst? Es waren soooo viele Artists wahnsinnig produktiv und haben kreiert ohne Ende. Was hielt mich davon ab? Die Antwort: Ich. Weil ich mir die Frage nach dem „WOFÜR“ in einer Zeit, in der eine Rückkehr auf die Bühne nicht absehbar war, jeglichen Antrieb nahm. Und während es für andere einen Reiz darstellt, ihre Musik zu releasen, damit andere sie hören können auf Spotify und Co., bestand für mich der Reiz immer nur darin, etwas zu erschaffen, um es dann mit Publikum auf Gigs zu teilen. Versteht mich nicht falsch. Ich habe mehr frustrierende als überwältigende Auftritte erlebt über die Jahre. Aber es fühlte sich dennoch immer so an, als wäre das sinnstiftende Ziel der Reise stets klar definiert: Die Leute zu finden, die was mit meiner Kunst anfangen können. Und dafür war ich immer bereit, jede Menge Lehrgeld zu zahlen. Am Ende jedes noch so beschissenen Abends, war ich dennoch immer überzeugt in irgendeiner Form eine Daseinsberechtigung zu haben. Und dieses Gefühl der Daseinsberechtigung ist ein Stück weit verloren gegangen in den letzten rund 18 Monaten.

Wisst ihr, in Zeiten von Social Media geht’s so oft um die vermeintliche Relevanz von Personen (und Themen). Und niemand fragt nach der scheiß Daseinsberechtigung. Mir egal ob Substanzielles aus der Mode ist. In meinem Kopf legt die Daseinsberechtigung das Fundament für die Relevanz. Ich wollte mir immer erst auf künstlerischer Ebene eine Basis erarbeiten, bevor ich mir anmaße, stattfinden zu müssen. Und jetzt wirke ich bestimmt auf einige so konservativ, dass sie mir den Posten als Vorsitzender der Jungen Union vorschlagen möchten. Aber diese ungefilterte Selbstdarstellungssucht dieser Generation, führt bei mir nur dazu, dass ich mich mit jeder eigenen Instagram-Story ein bisschen mehr verabscheue. Starker Tobak, ja. Aber diese Kids veröffentlichen Tracks, bevor sie ihr erstes Referat ohne Schweißausbruch vorgetragen haben. Und das fällt langfristig nicht ins Gewicht, weil sie eh nie live spielen werden und vielleicht nicht mal die Ambition haben, das je zu tun. Und das ist auch nicht ihre Schuld. Es ist einfach der Zeitgeist.

Und nein. Ich will hier gar nicht wie ein grimmiger Opa alles verteufeln und behaupten, dass früher alles besser war. Ich bin zwar alt, aber nicht so alt, um zu wissen, wie es früher wirklich gewesen ist. Ich sehe ja auch viel neue Kunst, die mich begeistert. Jede Woche höre ich unfassbare neue Songs und Alben. Und ich bewundere diese Menschen für ihr Durchhaltevermögen und ihren Fokus, von dem sie kein Umstand scheint abbringen zu können.

2018 ging ich auf eine Art Weltreise. Nur ich und so eine riesige Tasche. Auf der Suche, nach dem richtigen Platz. Und irgendwie bin ich genau das heute noch. Dieser Typ mit dieser Tasche. Nur, dass auf dieser Tasche steht „Meine Kunst“. Und wir zwei scheinen unseren Platz nicht zu finden in dieser Welt, weil keiner zu uns passt. Und vermutlich ist das auch überhaupt nicht schlimm.

Dieser Text ist absolut unkoordiniert und teilweise destruktiv geschrieben. Ich weiß. Aber genau das waren diese eineinhalb Jahre für mich auch. Und ich würde den Blog heute gern mit einem Auszug aus einem neuen Songtext von mir beenden. Er bringt meine Gedanken und meine Sehnsucht sehr gut auf den Punkt, wie ich finde.

„Glaub mir, Fame und viel Geld. Um sowas ging es mir noch nie. Bin bloß ein Junge auf ’ner Bühne auf der Suche nach Magie.“

Daseinsberechtigung hätte sich nicht gereimt, aber Magie passt definitiv auch super.

Bis nächste Woche, ihr süßen Gummibären!

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09.11.2021

Aloha! Ich darf dieses Wort nutzen, denn ich war schon mal auf Hawaii! In diesem Sinne: Lieben Gruß an die Border Control vom Honolulu Airport. Ihr kriegt mich aus Waikiki, aber Waikiki nicht aus mir, ihr Opfer! Or in english: You get me out Waikiki but Waikiki not out me, you victims!

Ich hoffe, dieser minimal zu alberne Einstieg in diesen Blogartikel entschuldigt den Ausfall von letzter Woche zumindest teilweise. Ich weiß, ich hab verkackt. Ich weiß, ihr habt keine Ahnung, wie ihr mir jemals wieder vertrauen sollt. Und ja, ihr habt jeden Grund, mich zu canceln. Selbst, wenn euer Name nicht Bianca ist. Falls jemand diese Anspielung nicht versteht, einmal nachsitzen und den letzten Blog lesen.

Doch was war eigentlich der Grund für meine letztwöchige Abstinenz? Ein Wort: ZuvielumdieOhren. Aktuell schreibe ich so viel wie noch nie in meinem Leben. Tatsächlich nicht „nur“ Songs und Spoken Words, sondern neuerdings auch Produkttexte für eine Firma, die mich dafür engagiert hat. Ist definitiv was anderes, aber ich lerne extrem viel. Und sich ein Handwerk raufzuschaffen, das man im Detail nicht beherrscht, ist echt interessant. Man wächst mit seinen Herausforderungen und das liebe ich. Zum Beispiel versuche ich mir für den eben genannten Job abzugewöhnen, so lange und verschachtelte Sätze zu schreiben, die alles andere als leserfreundlich und fürs Vorstellen von Marken und Produkten suboptimal sind. Aber keine Sorge, Freunde! Hier werde ich natürlich ganz ich selbst bleiben #zwinkersmiley

Aber kommen wir zum Wesentlichen. Ich mache ein Album. Ein schöner neuer Umstand macht es möglich. Also ja, 2022 kommt mein allererstes richtiges Album. Alles in absoluter Eigenregie und sogar mit Release über mein eigenes Label, das ich dieses Jahr gegründet hab. Und normalerweise bin ich niemand, der Dinge so früh mitteilt, aber in diesem Fall tu ich das ausnahmsweise. Kennt ihr das, wenn ihr einen richtigen Euphorieanfall habt und einfach alles probiert, um diesen Moment möglichst lang aufrechtzuerhalten? Das ist, was ich hier gerade mache. Und bislang konnte dieses Gefühl nicht einmal durch diesen scheiß Corny-Free-Riegel, den ich gerade esse, zerstört werden. Ich will bis Weihnachten ein paar Kilos verlieren, um dann wieder der absolute Fat Damon (King of Queens-Fans wissen, wer der chubby Babo ist) zu werden.

Wisst ihr, 2021 war ein beschissenes Jahr. Ich werde nicht zulassen, dass das nächste auch so wird. Deshalb werden jetzt ganz konkrete Ziele gesetzt, die ich erreichen will und muss.

Also neues Album. Erstes Album. Übers eigene Label. Shit, jetzt werde ich gerade ein bisschen aufgeregt, weil ich das so rausgehauen hab und alle 7 von euch jetzt Bescheid wissen. Aber alles cool. Ich mag Druck. Diese Art Druck.

Ich habe gerade den Eindruck, alles weitere, was ich jetzt von mir geben würde, ginge zu sehr in Richtung Neujahrsvorsätze und dafür ist es noch eineinhalb Monate zu früh. Außerdem müsst ihr diese unfassbar krassen News sicher erstmal sacken lassen!

Nächste Woche gibt’s dann wieder mehr zynischen Output von meiner Seite. Dann hab ich wieder mehr zu erzählen. Versprochen.

Bis dahin solltet ihr euch unbedingt noch den neuen und wunderschönen Song von Binta anhören. Er heißt „Bei mir“ und ihr findet ihn hier.

Kleiner Sidefact: Vor fast genau 10 Jahren (ich bin alt) haben Binta und ich eine gemeinsame EP bei unserem damaligen Label made in hamburg entertainment veröffentlicht. Irgendwie schön zu sehen, dass wir immer noch unser Ding machen.

Mahalo und bis nächste Woche!

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26.10.2021

Es ist wieder Dienstag und das heißt: MSN ausschalten und Aufmerksamkeit zu mir!

Vielleicht sollte ich diese MSN-Sprüche nicht so inflationär nutzen. Hab ein bisschen Sorge, dass ich bei den unter 30-Jährigen früher oder später in einer Liga spiele mit diesen Autofahrern aus Segeberg, die an ihr Ortskennzeichen (SE) ein XY anhängen, weil sie es für unterhaltsam halten. However, eigentlich no need to worry, denn der Boy nutzt jetzt Anglizismen, damit die Generation Z den Vibe catchen und ebenfalls relaten kann!

Aber Spaß bei Seite, auch wenn er wichtig ist. Es gibt da einen Gedanken, den ich mit euch teilen möchte. Eigentlich ist es viel mehr eine These, die ich erstmal in den Raum werfe und anschließend erkläre, wie ich zu ihr kam. Dramaturgisch unüblich, aber ich bin ja nicht gebührenfinanziert, also darf mir sowieso keiner reinreden.

Die These lautet: Es rufen vor allem Menschen zum öffentlichen Canceln berühmter Persönlichkeiten auf, die in ihrem Privatleben niemals jemanden canceln.

„HÄ?“ „WAS?“ „DAS MACHT KEINEN SINN!“ – jaja, ganz ruhig, Bianca. Ich erklär’s gleich.

Zunächst sei mal gesagt, ob ihr glaubt oder nicht, ich bin gar nicht prinzipiell ein Feind davon, Leute zu canceln. Ich bin absolut überzeugt davon, dass es Gründe gibt, einer Person keine Bühne mehr zu geben. Mir persönlich ist nur wichtig, wer der Absender war und welche Absicht er hatte. Ich glaube zum Beispiel, Dieter Nuhr hatte, als er Alice Haster aufgrund ihres Buchs „Was Weiße nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ als „linke Scheinintellektuelle“ bezeichnete, ausschließlich schlechte Absichten. Er wollte sowohl der Autorin als auch dem Werk die gesellschaftliche Relevanz und Dringlichkeit absprechen. Dafür nahm er auch in Kauf, die Schmerzen und Probleme, denen sich insbesondere Schwarze Menschen konfrontiert sehen, unberechtigterweise ad absurdum zu führen. Letztendlich ist er vermutlich einfach nur ein weißer Mann, der sich seiner Privilegien und seiner damit einhergehenden Verantwortung, nicht bewusst sein will.

Was ich mittlerweile jedoch meine immer häufiger registriere, ist das beabsichtigte Missverstehen von Inhalten, was wiederum fast zwangsläufig zur Folge hat, dass Personen verdächtigt werden, etwas zu sein, was sie nicht sind. An dieser Stelle möchte ich jedem dringlichst ans Herz legen, sich das neue Netflix-Special von Dave Chappelle „The Closer“ anzuschauen. Davor solltet ihr euch aber auch noch „Sticks & Stones“ reinziehen, um den Kontext des neuen Programms besser zu verstehen. UNBEZAHLTE WERBUNG LEIDER

Jedenfalls! Ich musste viel über diesen Vorgang des Cancelns einer Person nachdenken. Ist ja eigentlich schon hart. Da fordere ich dazu auf, jemanden von der Bildfläche zu entfernen, weil diese Person etwas gesagt oder getan hat, was mir nicht gefällt. In manchen Fällen fordere ich vielleicht sogar, dass diese Person ihren Job und damit womöglich ihre Existenz verliert. Und nochmal: Es gibt Fälle, in denen sogar das angemessen scheint (R.Kelly lässt grüßen). Aber im Großen und Ganzen wirkt dieser Vorgang schon ein wenig martialisch. Und dann obendrauf noch von anderen zu fordern, diese Person ebenfalls zu canceln, scheint in der Theorie wie die reinste Selbstüberhöhung.

Vielleicht sind wir gerade ja einfach diese Generation der Moralapostel. Ich fänd das gar nicht so schlimm, wenn ich dabei den Eindruck hätte, dass jeder auch so konsequent wäre und vor der eigenen Tür kehren würde. „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“, aber mein Glashaus ist für jeden anderen unsichtbar und hat weit offene Fenster, aus denen ich so viele Steine werfen kann, wie ich mag. Also cancel‘ ich Dave Chappelle und ich cancel‘ Kevin Hart und ich cancel‘ Joshua Kimmich.

Aber cancelst du auch deinen Freund, der dir mit ’ner anderen fremd gegangen ist? Cancelst du deinen Opa, der letzte Woche wieder Nazi-Parolen von sich gegeben hat? Cancelst du deinen Homie, weil er im Club eine besoffene Frau begrapscht hat, in der Gewissheit, dass er nicht erwischt wird? Oder cancelst du dich selbst, wenn du dich an ’nem schlecht gelaunten Tag deinen Arbeitskollegen gegenüber im Ton vergreifst?

Ein geradliniger Mensch sollte das tun (das letzte Beispiel mal ausgenommen). Also auch im Privatleben einer klaren Marschroute folgen. Ist aber gar nicht mal so leicht, wenn es um Leute geht, die man liebt und nicht nur von ’nem Bildschirm kennt.

Ich kann nur für mich sprechen und Dinge, die ich erlebe. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute, die als erstes zu irgendwelchen Boykotts von Stars aufrufen, regelmäßig die sind, die in ihrem Privatleben lieber Milde walten lassen. Und das halte ich für heuchlerisch.

Jaja, Bianca. Äpfel und Birnen, ich weiß. Blablabla.

Ich glaube, es gibt DEFINITIV Menschen, die wir canceln sollten. Die nirgendwo mehr eine Plattform haben sollten. Ich denke nur, dass dies eher Ausnahme als Regel sein sollte. Ist im Alltag doch auch so, oder nicht?

Musst mir ja nicht zustimmen, aber cancel‘ mich bitte nicht – es sei denn, du heißt Bianca. Dann hätte ich Verständnis.

Bis nächste Woche (oder gleich bei MSN)!

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20.10.2021

chiller-daniel@hotmail.de ist zurück! Hinterlasst mir eure Addys!

Eigentlich wollte ich es mir zur Angewohnheit machen, diesen Blog immer am Dienstagabend zu schreiben, doch 3 Dinge haben mich gestern dazu bewogen, bereits in der zweiten Woche eine Ausnahme zu machen und mit dieser Tradition zu brechen:

  1. Ich hatte gestern Abend unfassbare Kopfschmerzen, die einfach nicht nachlassen wollte.

 2. Ich war (und bin noch immer) sehr emotionalisiert, aufgrund der momentanen Situation in unserem Land sowie global.

 3. Heute ist der 20. Oktober – alle, die den Blog von letzter Woche nicht gelesen haben, sollten dies jetzt nachholen, um die Bedeutung dieses Tages zu verstehen – und da konnte ich nicht widerstehen.

Da die Kopfschmerzen größtenteils weg sind und der Charme des 20. Oktobers selbsterklärend ist, möchte ich gern über den Punkt 2 sprechen. Und das fällt mir alles andere als leicht, da ich es oft schwierig finde, über Themen zu sprechen, die mir am Herzen liegen, weil ich immer wieder das Gefühl kriege, mich bzw. meine Gedanken nicht gut genug erklärt zu haben. Wenn ich emotional bin, werden meine Worte nicht unbedingt irrational, dafür aber schnell unsortiert, weil ich Probleme habe, meinen Formulierungen eine für jeden anderen nachvollziehbare Struktur zu geben oder Dinge vergesse, die mir dann später einfallen (ich bin auch schon 30).

Aber was soll’s. Ein Schreiber muss tun, was ein Schreiber tun muss. LET’S GO.

Das Thema, was mich zurzeit extrem belastet, ist das Thema Impfung. Ich bin persönlich – Stand jetzt – nicht geimpft. Ich gehöre keiner fragwürdigen Glaubensgemeinschaft an, die sich Querdenker nennt, und halte es auch auf keinen Fall für einen Fehler, wenn sich jemand impfen lässt. Worin ich einen Fehler sehe, ist Menschen in Kategorien zu stecken, in welche sie nicht gehören, um eine komplexe Situation vereinfacht darzustellen. In meinem privaten Umfeld sind schätzungsweise die Hälfte der Leute geimpft. Der Grund, weshalb ich es nur schätzen kann, ist der, dass ich es nicht ganz genau weiß, weil es mich nicht interessiert. Und so handhaben es bei uns GOTT SEI DANK alle. Keiner redet dem anderen rein, weil es eine persönliche Entscheidung ist. Wenn ich mich entschließe, mich impfen zu lassen, dann tue ich das, um mich vor einem möglicherweise schweren Verlauf des Virus zu schützen. So wurde es mir bislang zumindest erklärt. Geimpfte können genau wie Ungeimpfte dieses Virus weiterhin übertragen. Ich als Ungeimpfter bin dann womöglich gefährdeter schwer zu erkranken, aber ich darf entscheiden, ob ich dieses potentielle Risiko tragen will oder nicht.

Ich habe absolut vollstes Verständnis für jeden Veranstalter, der sich für das 2G-Modell entscheidet, weil er überleben muss, da ihm dadurch gewisse Freiheiten eingeräumt werden, die er sonst nicht hätte. Ich verstehe jeden Gastronomiebetrieb, jedes Theater, jedes Kino. Sie müssen alle überleben. Was ich nicht verstehe, ist, wenn ein hessischer Supermarkt meint, solche Ansprüche anmelden zu dürfen, und Menschen das Recht auf Grundversorgung absprechen will. Zumal vermutlich niemand weniger unter dieser Pandemie zu leiden hatte als Supermärkte.

Vor einem halben Jahr wurde jeder Person, die von einer womöglich kommenden Impflicht sprach, der Vogel gezeigt. Jetzt haben wir keine generelle Impflicht, aber Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten (oder können), wird das Leben systematisch erschwert und sie werden an nahezu jeder Stelle ausgegrenzt. Im Übrigen haben sich viele dieser Menschen nicht einmal unbedingt GEGEN die Impfung entschieden, sondern vielleicht hier und da noch Zweifel und Sorgen. Es ist ja nicht so, als wären diese nicht mindestens teilweise angebracht. Mir haben Leute, die sich für die größten Demokratie-Befürworter halten, schon gesagt, dass sie dafür wären, die schätzungsweise 20% der Gesellschaft, die sich aktuell nicht impfen lassen möchten, zu zwingen dies zu tun. Wie kann es sein, dass Freundeskreise auseinanderreißen, weil die eine Seite wirklich glaubt, die andere wäre Schuld daran, dass wir noch nicht „back to normal“ sind? Wie kann es sein, dass Studentinnen und Studenten daran gehindert werden, ihrem Studium nachzugehen, indem auf tagesaktuelle Tests bestanden wird, die seit kurzem 20€ kosten? Wenn man auf diese Fragen nur antwortet mit „es ist ja jedem möglich, sich einfach impfen zu lassen und dann darf man ja alles“, verkennt man die wahre Problematik und behandelt das Thema auf der denkbar oberflächlichsten Ebene.

Es ist eine Sache, Regeln direkt zu akzeptieren, wenn sie aufgestellt werden. Es ist eine andere Sache, diese Regeln aber auch automatisch für gut und richtig zu befinden. Wie kann man als soziales Wesen (so bezeichnet man Menschen ja) wirklich davon überzeugt sein, dass es richtig wäre, jemanden nicht mehr am sozialen Leben teilhaben zu lassen, als eine Art Bestrafung dafür, dass er in gewissen Dingen anderer Auffassung ist? Wir reden hier über Leute, die niemanden gefährden außer womöglich sich selbst, und dafür stigmatisiert und gewissermaßen auch kriminalisiert werden. Und begründet wird dieser Vorgang mit fehlender Solidarität aufseiten der Ungeimpften.

Warum prangern so wenige an, dass ein Land wie England – bei einer geringeren Impfquote als wir sie aktuell haben – bereits vor Monaten seinen Freedom Day gefeiert hat, während wir hier fucking Weihnachtsmärkte nicht für jeden zugänglich machen? Wieso spricht kaum jemand über immer häufiger vorkommende Ausbrüche bei vollständig geimpften Personen?

Ich bin kein Wissenschaftler. Ich habe keine Ahnung. Ich verstehe nichts von Viren und Pandemien. Und auch, wenn es eigentlich niemanden etwas angeht, begründe ich hier mal, weshalb ich noch nicht geimpft bin. Nämlich, weil ich einfach kein gutes Bauchgefühl hatte bisher. Und das finden jetzt viele sicher bescheuert argumentiert und naiv, aber ich glaubte immer in einer Gesellschaft zu leben, in der es ausreicht, sich aufgrund des eigenen Gefühls für oder gegen Dinge zu entscheiden zu dürfen, ohne im Gegenzug verdächtigt zu werden. In einer Demokratie halt. Und jaaaaa, wir leben in keiner Diktatur und wir sind nicht China. Aber warum sollte man sich immer daran orientieren, wer es schlechter macht?

Wisst ihr, in den letzten Wochen wurde ich (ja, ICH!) von einem Event-Veranstalter indirekt als Freund rechter Propaganda bezeichnet, als ich ihm mitteilte, dass ich aktuell nicht geimpft sei. Ich wurde aus der Basketballhalle geworfen, weil es urplötzlich hieß, jeder bräuchte einen Impfnachweis, der zuvor nie gefordert wurde. Ich durfte in einem Café, als es begann in Strömen zu regnen, nicht für ein paar Minuten im Trockenen sitzen. Und ja, es war jeweils nicht die Schuld der Personen, die mir die Sachen mitteilten (außer beim Veranstalter, hoffentlich kriegt er Fußpilz). Aber diese Momente haben mich allesamt sehr getroffen und ich war zeitweise absolut frustriert und überfordert von dieser Welt und das obwohl ich so privilegiert bin, ein Umfeld zu haben, das mich toleriert und gelten lässt. Ich bin weich gebettet.

Ich mag mir nicht mal ausmalen, wie einsam sich gerade jemand fühlt, der ähnliche Gedanken hat wie ich und nicht auf die Unterstützung anderer zählen kann.

Ich vermisse die Bühne. Was widersprüchlich ist, weil ich ja eigentlich wieder auf einer stehen könnte. Aber ich will nur Teil von etwas sein, von dem jeder Teil sein darf.

Wir sind auf dem besten Wege dahin, eine gespaltete Gesellschaft zu werden. Zumindest scheint es mir so.

Hoffentlich war dieser Blog euch nicht zu negativ und melancholisch. Nächste Woche bin ich bestimmt besser drauf.

Bis dahin, vergesst mir nicht eure Addys zu schicken, yo!

P.S.: Übrigens bin ich jederzeit bereit dazu, mich mit Menschen, die einen anderen Blick auf die Situation haben, zu unterhalten. Also immer ran an den Speck!

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12.10.2021

Ich bin ein Schreiber. Also ich glaube, ich bin ein Schreiber.

Zumindest schreibe ich Songs seit vielen Jahren. Ich war 13, als ich meinen ersten Songtext schrieb. Das tat ich nicht allein, sondern mit einem guten Kindheitsfreund namens Yannik, der meine Familie und mich zum damaligen Zeitpunkt für einige Tage besuchte, denn Yannik war nicht aus Hamburg. Wir kannten uns vom Campingplatz am Lensterstrand in der Nähe von Grömitz. Zu viel Information, ich weiß. Shoutout an Yannik! Ich hoffe, dir geht’s gut, Diggi! Jedenfalls schrieben Yannik und ich abends diesen Songtext. „Baby, ich denk an dich. Egal, was ich tu. Ich denk an dich. Du lässt mir keine Ruh. Ich mein es Ernst. Verarsch dich nicht. Oh Baby, ich denk an dich.“ Geil, oder? Dachte hier jemand, Justin Bieber war der erste 13-Jährige, der über Liebe sang? PUSTEKUCHEN DIGGA! Das waren meine ersten Liedzeilen.

Heute schreibe ich noch immer Songs. Aber ich schreibe auch Spoken Words oder Poems oder Gedichte oder wie man sie auch immer nennen will. Mir gefällt Spoken Word am besten. Klingt so präzise. Ich spreche ja Worte. Mein erstes Spoken Word schrieb ich am 19. Oktober 2016, also vor fast genau 5 Jahren. Wieso ich den genauen Tag noch weiß? Weil es sich bei diesem Datum um den Tag vor dem bis dato wichtigsten Tag meines (musikalischen) Lebens handelte. Am 20. Oktober 2016 spielte ich mit meiner Band das Releasekonzert zu meiner damaligen EP „DREI“ im Stage Club in Hamburg. Wir hatten sehr lange und sehr viel geprobt für diesen Abend. Die Produktion der EP, das Organisieren des Konzerts und der CD-Pressungen (ja, ich hab fucking 1000 CDs pressen lassen zu einer Zeit, in der es Spotify schon gab und bunker‘ so um die 700 davon heute in meinem Keller) sowie das in die Wege leiten der rechtzeitigen Ankunft der größten norddeutschen Fehlinvestition seit Heiko Westermann – aka der CDs -, hatten mich einem Stresslevel nahegebracht, welches mir neu war. Die Ironie des Abends war schlussendlich die, dass sich gefühlt 90% des Feedbacks, das ich erhielt, gar nicht auf unser perfekt einstudiertes Liedrepertoire bezog. An diesem Abend performte ich nämlich zum allerersten Mal ein Spoken Word auf einer Bühne. Der Titel lautete „Sorgen“ und ich hatte diesen handgeschriebenen Text, den ich dem Publikum vorlas, keine 24 Stunden zuvor aufs Blatt gebracht. Es waren die MIT ABSTAND nervösesten Momente des Abends für mich. Und die besten. Der Applaus nach diesen ca. eineinhalb Minuten ist der bis heute vermutlich schönste und echteste, den ich je erhalten hab. Und trotzdem war es ja immer noch ein Konzert, wo die Musik im Vordergrund stehen sollte. Insofern fühlte ich mich von den Lobeshymnen über mein Spoken Word zwar geschmeichelt, aber irritiert war ich eben auch, weil fast keiner was zu den Songs sagte. Ich erinnere mich, wie meine gute Freundin Naomi nach dem Konzert zu mir kam und ebenfalls voll des Lobes über mein Spoken Word war. Also fragte ich sie auf ironische Art und Weise (aber ich meinte Ernst, Brudi), wieso alle nur was zu meinem Spoken Word sagen und sich fast niemand zu den Songs äußert. Ihre Antwort sollte vieles für mich und dadurch auch meine Kunst verändern (danke Naomi!). Sie sagte: „Weißt du. Dass du ein krasser Sänger bist, wussten ja alle. Aber, dass du so schreiben kannst. Wow.“ Das Prinzip der Selbst- und Fremdwahrnehmung. In meiner Wahrnehmung war ich immer ein Schreiber, der halt auch so ein bisschen singen kann. In den Augen anderer war ich ein Sänger, der halt seine Texte schreibt. Und mir wurde erst da so richtig klar, dass Spoken Words eine richtig gute Ergänzung zu meiner Musik sein können. Denn da gibt’s keinen Gesang und keine Instrumente, sondern nur Text und Inhalte. Spoken Words sind freier als Songtexte, weil sie keine Kompromisse eingehen müssen. Und ich gehe eh ungern Kompromisse ein. Erst recht nicht beim Schreiben.

Also ja, ich glaube, ich bin ein Schreiber. Ein „kreativer Schreiber“ vielleicht. Oder ist es anmaßend von mir, mich selbst als kreativ zu bezeichnen? Nee, nee. Hand aufs Herz. Ich bin schon ein bisschen kreativ. Glaube ich. Und weil ich das glaube, schreibe ich ab sofort einmal wöchentlich diesen Blog. Vielleicht entdecke ich dadurch ja wieder eine neue Art des Schreibens für mich, die mir bislang fremd war. Worum es gehen wird? I DON’T KNOW YET! Mal künstlerische, mal politisch-gesellschaftliche, mal sinnstiftende (wieder anmaßend), mal sinnfreie (bin wieder bodenständig) Themen.

Bis nächste Woche dann.

Daniel aka chiller-daniel@hotmail.de (MSN-Generation versteht)