23.11.2021

Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Fäustchen? Es ist die böse Hexe von Hänsel und Gretel, Habibi. Einstiege in Blogeinträge? Kann ich.

Seht mir meine Albernheit nach. Ich war gerade ’ne Weile gesundheitlich ziemlich im Eimer. Mental auch. Schwierige, seltsame, unangenehme Zeiten momentan. Und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht den Finger in die Wunde legen würde und mich an dieser Stelle einer kontroversen Frage widme. Diese Frage hat große Teile meines Alltags als Jugendlicher bestimmt. Freundschaften wurden ihretwegen auf die Probe gestellt. Es gab Tage, an denen die Diskussionen so hitzig wurden, dass heutige Impfdebatten dagegen aussehen, wie sich raufende Hundewelpen. Die Frage lautet: Knoppers oder Hanuta?

Ich weiß, was jetzt jeder vernünftige Mensch denkt. Wer entscheidet sich für Knoppers? Aber es gibt diese Leute tatsächlich! Und ich will gar nicht über sie urteilen. Sie haben bloß Unrecht.

Ich möchte es für die unbelehrbaren Knoppers-Fans mithilfe von 3 messbaren Parametern erklären.

  1. Kalorien: Auf 100g hat ein Hanuta sage und schreibe 9 (!) kcal weniger als ein Knoppers.
  2. Fett: Auf 100g hat ein Hanuta sage und schreibe 1,3 (!) g Fett weniger als ein Knoppers.
  3. Geschmack: Ein Hanuta schmeckt besser als ein Knoppers.

Ohne Spaß! Wie kann man nicht erkennen, was für ein in sich stimmiges Produkt so ein Hanuta ist?! Diese zwei knusprigen Waffeln und dazwischen eine doppelt so dicke Schicht kräftiger Kakaocreme mit Haselnussstückchen. Und ja, ich weiß die Hanuta-Leugner argumentieren oft, mit der Vielfalt an Zutaten, die sich in einem Knoppers wieder zu spiegeln scheint. Drei Waffeln, von der eine sogar mit so ’ner Fettglasur überzogen ist, eine Milchcremeschicht, eine Haselnusscremeschicht und Haselnussstückchen. Aber da muss ich doch entgegnen: Ist Quantität wichtiger als Qualität? Mitnichten! Zieht euch mal eine Acoustic-Performance von Craig David an und danach nochmal eine mit ganzer Band. Letzteres ist super. Ersteres ist Weltklasse!

Ja, ein Hanuta ist simpel aufgebaut. Keine Komplexität, keine Fragezeichen. Man weiß, woran man is(s)t (Wortspiel, hihihi). Hanuta ist der zuverlässige große Bruder, der dich im Winter mit dem Schlitten vom Kindergarten abholt. Selbst bei Minusgraden, sorgt er dafür, dass du Spaß hast und sicher nach Hause kommst. Knoppers ist die esoterische Cousine 4. Grades, die sich zweimal im Jahr meint in Südostasien neu zu erfinden und dadurch zwar interessante Dinge zu erzählen hat, aber auch schnell zu viel wird mit ihrem Pseudo-Tiefgang. Man hat sie gern, aber in Maßen.

Ich möchte mich hier nicht als Knoppers-Hasser verstanden wissen. Ich habe in meinem Leben sicherlich zwischen 15 und 20 (Tausend) Knoppers gegessen. Ich mag das Zeug! LeBron James ist auch ein unfassbar guter Basketballer. Aber er ist und wird nie ein Michael Jordan. Und denkt nicht mal eine Sekunde drüber nach, dieses Thema mit mir aufzumachen!

Letztendlich möchte ich nur, dass es jedem gut geht. Wenn du ein positiver Mensch bist, obwohl du Knoppers bevorzugst, kann ich mir kaum ausmalen, was für eine Stimmungskanone du wärst, wenn deine Geschmacksnerven auch noch was vom Leben verstünden. Du könntest die Welt verändern, yo! Und das ist absolut objektiv und realistisch von mir bewertet.

Ich hoffe, ich hab euch jetzt nicht zu krassen Appetit auf Hanuta oder sogar etwas ungesundes wie Knoppers gemacht. Wenn doch, gehen die nächsten 12.000 Kalorien auf meine Kappe. Ich küss eure Nutellaherzen. Nutella ist übrigens wie auch Hanuta von Ferrero. Just sayin‘. Bis nächste Woche.

 

P.S.: Seht bitte, sofern ihr anderer (falscher) Meinung sein solltet, von Hasstiraden und Drohungen ab. Solltet ihr meiner Meinung sein, ist es euch erlaubt.

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16.11.2021

Schon wieder ’ne Woche um. Alter Schwede. Die Zeit fliegt. Aber die Ironie ist, dass ich gar nicht so richtig weiß, warum die Tage so schnell vorübergehen momentan. Meine relativ unoriginelle Antwort auf die alltägliche Frage „Was geht ab?“ lautet seit Monaten „Viel und wenig.“ Irgendwie kann ich den Zustand nicht besser beschreiben. Ich hab noch nie so viel Medien konsumiert (und das ist nur im teilweise negativen Sinne gemeint) wie in den letzten rund eineinhalb Jahren. Ich hab extrem viel erfahren über Gott und die Welt und gefühlt 90% davon wieder vergessen. Das bezieht sich im übrigen nicht allein aufs Thema Corona. Keine Sorge. Ich hab wirklich das Gefühl, viel gelernt zu haben. Vor allem über mich selbst. Ich glaube, ich hab mich sehr weiterentwickelt. Was wiederum deshalb absolut widersprüchlich ist, weil ich mich auch durchgehend so fühle, als stagnierte ich. Als Künstler, als Mensch. Womöglich fühlt es sich wie Stagnieren an, weil dieses Wort oder besser gesagt die Bedeutung dieses Wortes immer meine größte Angst darstellte. Neben Wespen, versteht sich.

Eine Sache, die ich mir in diesen mittlerweile gut 12 Jahren, die ich aktiv Musik mache, angeeignet habe, ist das lange Zehren von kleinen Erfolgserlebnissen. Wie jeder weiß, ist das Künstlerdasein alles andere als beständig und zuverlässig in vielerlei Hinsicht. Und die Qualität, lange Zeit mit wenig auszukommen, ist auf mentaler Ebene mindestens genauso wichtig wie auf finanzieller. Man kann auch emotional verhungern. Die Frage, die sich im Winter 2021 ganz besonders für Künstlerinnen und Künstler stellt, ist bloß „Was wenn alle Ressourcen aufgebraucht sind?“

Ich kenne Leute, die mit dieser Ungewissheit wesentlich besser umgehen als ich. Dabei dachte ich immer, ich könne sehr gut mit Ungewissheit umgehen. Kann ich auch. Aber nur solange sie eine Geldfrage ist.

Letzte Woche kündigte ich an, dass nächstes Jahr mein erstes Album kommt. Das wird es. Aber warum kam es nicht schon längst? Es waren soooo viele Artists wahnsinnig produktiv und haben kreiert ohne Ende. Was hielt mich davon ab? Die Antwort: Ich. Weil ich mir die Frage nach dem „WOFÜR“ in einer Zeit, in der eine Rückkehr auf die Bühne nicht absehbar war, jeglichen Antrieb nahm. Und während es für andere einen Reiz darstellt, ihre Musik zu releasen, damit andere sie hören können auf Spotify und Co., bestand für mich der Reiz immer nur darin, etwas zu erschaffen, um es dann mit Publikum auf Gigs zu teilen. Versteht mich nicht falsch. Ich habe mehr frustrierende als überwältigende Auftritte erlebt über die Jahre. Aber es fühlte sich dennoch immer so an, als wäre das sinnstiftende Ziel der Reise stets klar definiert: Die Leute zu finden, die was mit meiner Kunst anfangen können. Und dafür war ich immer bereit, jede Menge Lehrgeld zu zahlen. Am Ende jedes noch so beschissenen Abends, war ich dennoch immer überzeugt in irgendeiner Form eine Daseinsberechtigung zu haben. Und dieses Gefühl der Daseinsberechtigung ist ein Stück weit verloren gegangen in den letzten rund 18 Monaten.

Wisst ihr, in Zeiten von Social Media geht’s so oft um die vermeintliche Relevanz von Personen (und Themen). Und niemand fragt nach der scheiß Daseinsberechtigung. Mir egal ob Substanzielles aus der Mode ist. In meinem Kopf legt die Daseinsberechtigung das Fundament für die Relevanz. Ich wollte mir immer erst auf künstlerischer Ebene eine Basis erarbeiten, bevor ich mir anmaße, stattfinden zu müssen. Und jetzt wirke ich bestimmt auf einige so konservativ, dass sie mir den Posten als Vorsitzender der Jungen Union vorschlagen möchten. Aber diese ungefilterte Selbstdarstellungssucht dieser Generation, führt bei mir nur dazu, dass ich mich mit jeder eigenen Instagram-Story ein bisschen mehr verabscheue. Starker Tobak, ja. Aber diese Kids veröffentlichen Tracks, bevor sie ihr erstes Referat ohne Schweißausbruch vorgetragen haben. Und das fällt langfristig nicht ins Gewicht, weil sie eh nie live spielen werden und vielleicht nicht mal die Ambition haben, das je zu tun. Und das ist auch nicht ihre Schuld. Es ist einfach der Zeitgeist.

Und nein. Ich will hier gar nicht wie ein grimmiger Opa alles verteufeln und behaupten, dass früher alles besser war. Ich bin zwar alt, aber nicht so alt, um zu wissen, wie es früher wirklich gewesen ist. Ich sehe ja auch viel neue Kunst, die mich begeistert. Jede Woche höre ich unfassbare neue Songs und Alben. Und ich bewundere diese Menschen für ihr Durchhaltevermögen und ihren Fokus, von dem sie kein Umstand scheint abbringen zu können.

2018 ging ich auf eine Art Weltreise. Nur ich und so eine riesige Tasche. Auf der Suche, nach dem richtigen Platz. Und irgendwie bin ich genau das heute noch. Dieser Typ mit dieser Tasche. Nur, dass auf dieser Tasche steht „Meine Kunst“. Und wir zwei scheinen unseren Platz nicht zu finden in dieser Welt, weil keiner zu uns passt. Und vermutlich ist das auch überhaupt nicht schlimm.

Dieser Text ist absolut unkoordiniert und teilweise destruktiv geschrieben. Ich weiß. Aber genau das waren diese eineinhalb Jahre für mich auch. Und ich würde den Blog heute gern mit einem Auszug aus einem neuen Songtext von mir beenden. Er bringt meine Gedanken und meine Sehnsucht sehr gut auf den Punkt, wie ich finde.

„Glaub mir, Fame und viel Geld. Um sowas ging es mir noch nie. Bin bloß ein Junge auf ’ner Bühne auf der Suche nach Magie.“

Daseinsberechtigung hätte sich nicht gereimt, aber Magie passt definitiv auch super.

Bis nächste Woche, ihr süßen Gummibären!

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09.11.2021

Aloha! Ich darf dieses Wort nutzen, denn ich war schon mal auf Hawaii! In diesem Sinne: Lieben Gruß an die Border Control vom Honolulu Airport. Ihr kriegt mich aus Waikiki, aber Waikiki nicht aus mir, ihr Opfer! Or in english: You get me out Waikiki but Waikiki not out me, you victims!

Ich hoffe, dieser minimal zu alberne Einstieg in diesen Blogartikel entschuldigt den Ausfall von letzter Woche zumindest teilweise. Ich weiß, ich hab verkackt. Ich weiß, ihr habt keine Ahnung, wie ihr mir jemals wieder vertrauen sollt. Und ja, ihr habt jeden Grund, mich zu canceln. Selbst, wenn euer Name nicht Bianca ist. Falls jemand diese Anspielung nicht versteht, einmal nachsitzen und den letzten Blog lesen.

Doch was war eigentlich der Grund für meine letztwöchige Abstinenz? Ein Wort: ZuvielumdieOhren. Aktuell schreibe ich so viel wie noch nie in meinem Leben. Tatsächlich nicht „nur“ Songs und Spoken Words, sondern neuerdings auch Produkttexte für eine Firma, die mich dafür engagiert hat. Ist definitiv was anderes, aber ich lerne extrem viel. Und sich ein Handwerk raufzuschaffen, das man im Detail nicht beherrscht, ist echt interessant. Man wächst mit seinen Herausforderungen und das liebe ich. Zum Beispiel versuche ich mir für den eben genannten Job abzugewöhnen, so lange und verschachtelte Sätze zu schreiben, die alles andere als leserfreundlich und fürs Vorstellen von Marken und Produkten suboptimal sind. Aber keine Sorge, Freunde! Hier werde ich natürlich ganz ich selbst bleiben #zwinkersmiley

Aber kommen wir zum Wesentlichen. Ich mache ein Album. Ein schöner neuer Umstand macht es möglich. Also ja, 2022 kommt mein allererstes richtiges Album. Alles in absoluter Eigenregie und sogar mit Release über mein eigenes Label, das ich dieses Jahr gegründet hab. Und normalerweise bin ich niemand, der Dinge so früh mitteilt, aber in diesem Fall tu ich das ausnahmsweise. Kennt ihr das, wenn ihr einen richtigen Euphorieanfall habt und einfach alles probiert, um diesen Moment möglichst lang aufrechtzuerhalten? Das ist, was ich hier gerade mache. Und bislang konnte dieses Gefühl nicht einmal durch diesen scheiß Corny-Free-Riegel, den ich gerade esse, zerstört werden. Ich will bis Weihnachten ein paar Kilos verlieren, um dann wieder der absolute Fat Damon (King of Queens-Fans wissen, wer der chubby Babo ist) zu werden.

Wisst ihr, 2021 war ein beschissenes Jahr. Ich werde nicht zulassen, dass das nächste auch so wird. Deshalb werden jetzt ganz konkrete Ziele gesetzt, die ich erreichen will und muss.

Also neues Album. Erstes Album. Übers eigene Label. Shit, jetzt werde ich gerade ein bisschen aufgeregt, weil ich das so rausgehauen hab und alle 7 von euch jetzt Bescheid wissen. Aber alles cool. Ich mag Druck. Diese Art Druck.

Ich habe gerade den Eindruck, alles weitere, was ich jetzt von mir geben würde, ginge zu sehr in Richtung Neujahrsvorsätze und dafür ist es noch eineinhalb Monate zu früh. Außerdem müsst ihr diese unfassbar krassen News sicher erstmal sacken lassen!

Nächste Woche gibt’s dann wieder mehr zynischen Output von meiner Seite. Dann hab ich wieder mehr zu erzählen. Versprochen.

Bis dahin solltet ihr euch unbedingt noch den neuen und wunderschönen Song von Binta anhören. Er heißt „Bei mir“ und ihr findet ihn hier.

Kleiner Sidefact: Vor fast genau 10 Jahren (ich bin alt) haben Binta und ich eine gemeinsame EP bei unserem damaligen Label made in hamburg entertainment veröffentlicht. Irgendwie schön zu sehen, dass wir immer noch unser Ding machen.

Mahalo und bis nächste Woche!

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26.10.2021

Es ist wieder Dienstag und das heißt: MSN ausschalten und Aufmerksamkeit zu mir!

Vielleicht sollte ich diese MSN-Sprüche nicht so inflationär nutzen. Hab ein bisschen Sorge, dass ich bei den unter 30-Jährigen früher oder später in einer Liga spiele mit diesen Autofahrern aus Segeberg, die an ihr Ortskennzeichen (SE) ein XY anhängen, weil sie es für unterhaltsam halten. However, eigentlich no need to worry, denn der Boy nutzt jetzt Anglizismen, damit die Generation Z den Vibe catchen und ebenfalls relaten kann!

Aber Spaß bei Seite, auch wenn er wichtig ist. Es gibt da einen Gedanken, den ich mit euch teilen möchte. Eigentlich ist es viel mehr eine These, die ich erstmal in den Raum werfe und anschließend erkläre, wie ich zu ihr kam. Dramaturgisch unüblich, aber ich bin ja nicht gebührenfinanziert, also darf mir sowieso keiner reinreden.

Die These lautet: Es rufen vor allem Menschen zum öffentlichen Canceln berühmter Persönlichkeiten auf, die in ihrem Privatleben niemals jemanden canceln.

„HÄ?“ „WAS?“ „DAS MACHT KEINEN SINN!“ – jaja, ganz ruhig, Bianca. Ich erklär’s gleich.

Zunächst sei mal gesagt, ob ihr glaubt oder nicht, ich bin gar nicht prinzipiell ein Feind davon, Leute zu canceln. Ich bin absolut überzeugt davon, dass es Gründe gibt, einer Person keine Bühne mehr zu geben. Mir persönlich ist nur wichtig, wer der Absender war und welche Absicht er hatte. Ich glaube zum Beispiel, Dieter Nuhr hatte, als er Alice Haster aufgrund ihres Buchs „Was Weiße nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ als „linke Scheinintellektuelle“ bezeichnete, ausschließlich schlechte Absichten. Er wollte sowohl der Autorin als auch dem Werk die gesellschaftliche Relevanz und Dringlichkeit absprechen. Dafür nahm er auch in Kauf, die Schmerzen und Probleme, denen sich insbesondere Schwarze Menschen konfrontiert sehen, unberechtigterweise ad absurdum zu führen. Letztendlich ist er vermutlich einfach nur ein weißer Mann, der sich seiner Privilegien und seiner damit einhergehenden Verantwortung, nicht bewusst sein will.

Was ich mittlerweile jedoch meine immer häufiger registriere, ist das beabsichtigte Missverstehen von Inhalten, was wiederum fast zwangsläufig zur Folge hat, dass Personen verdächtigt werden, etwas zu sein, was sie nicht sind. An dieser Stelle möchte ich jedem dringlichst ans Herz legen, sich das neue Netflix-Special von Dave Chappelle „The Closer“ anzuschauen. Davor solltet ihr euch aber auch noch „Sticks & Stones“ reinziehen, um den Kontext des neuen Programms besser zu verstehen. UNBEZAHLTE WERBUNG LEIDER

Jedenfalls! Ich musste viel über diesen Vorgang des Cancelns einer Person nachdenken. Ist ja eigentlich schon hart. Da fordere ich dazu auf, jemanden von der Bildfläche zu entfernen, weil diese Person etwas gesagt oder getan hat, was mir nicht gefällt. In manchen Fällen fordere ich vielleicht sogar, dass diese Person ihren Job und damit womöglich ihre Existenz verliert. Und nochmal: Es gibt Fälle, in denen sogar das angemessen scheint (R.Kelly lässt grüßen). Aber im Großen und Ganzen wirkt dieser Vorgang schon ein wenig martialisch. Und dann obendrauf noch von anderen zu fordern, diese Person ebenfalls zu canceln, scheint in der Theorie wie die reinste Selbstüberhöhung.

Vielleicht sind wir gerade ja einfach diese Generation der Moralapostel. Ich fänd das gar nicht so schlimm, wenn ich dabei den Eindruck hätte, dass jeder auch so konsequent wäre und vor der eigenen Tür kehren würde. „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“, aber mein Glashaus ist für jeden anderen unsichtbar und hat weit offene Fenster, aus denen ich so viele Steine werfen kann, wie ich mag. Also cancel‘ ich Dave Chappelle und ich cancel‘ Kevin Hart und ich cancel‘ Joshua Kimmich.

Aber cancelst du auch deinen Freund, der dir mit ’ner anderen fremd gegangen ist? Cancelst du deinen Opa, der letzte Woche wieder Nazi-Parolen von sich gegeben hat? Cancelst du deinen Homie, weil er im Club eine besoffene Frau begrapscht hat, in der Gewissheit, dass er nicht erwischt wird? Oder cancelst du dich selbst, wenn du dich an ’nem schlecht gelaunten Tag deinen Arbeitskollegen gegenüber im Ton vergreifst?

Ein geradliniger Mensch sollte das tun (das letzte Beispiel mal ausgenommen). Also auch im Privatleben einer klaren Marschroute folgen. Ist aber gar nicht mal so leicht, wenn es um Leute geht, die man liebt und nicht nur von ’nem Bildschirm kennt.

Ich kann nur für mich sprechen und Dinge, die ich erlebe. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute, die als erstes zu irgendwelchen Boykotts von Stars aufrufen, regelmäßig die sind, die in ihrem Privatleben lieber Milde walten lassen. Und das halte ich für heuchlerisch.

Jaja, Bianca. Äpfel und Birnen, ich weiß. Blablabla.

Ich glaube, es gibt DEFINITIV Menschen, die wir canceln sollten. Die nirgendwo mehr eine Plattform haben sollten. Ich denke nur, dass dies eher Ausnahme als Regel sein sollte. Ist im Alltag doch auch so, oder nicht?

Musst mir ja nicht zustimmen, aber cancel‘ mich bitte nicht – es sei denn, du heißt Bianca. Dann hätte ich Verständnis.

Bis nächste Woche (oder gleich bei MSN)!

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20.10.2021

chiller-daniel@hotmail.de ist zurück! Hinterlasst mir eure Addys!

Eigentlich wollte ich es mir zur Angewohnheit machen, diesen Blog immer am Dienstagabend zu schreiben, doch 3 Dinge haben mich gestern dazu bewogen, bereits in der zweiten Woche eine Ausnahme zu machen und mit dieser Tradition zu brechen:

  1. Ich hatte gestern Abend unfassbare Kopfschmerzen, die einfach nicht nachlassen wollte.

 2. Ich war (und bin noch immer) sehr emotionalisiert, aufgrund der momentanen Situation in unserem Land sowie global.

 3. Heute ist der 20. Oktober – alle, die den Blog von letzter Woche nicht gelesen haben, sollten dies jetzt nachholen, um die Bedeutung dieses Tages zu verstehen – und da konnte ich nicht widerstehen.

Da die Kopfschmerzen größtenteils weg sind und der Charme des 20. Oktobers selbsterklärend ist, möchte ich gern über den Punkt 2 sprechen. Und das fällt mir alles andere als leicht, da ich es oft schwierig finde, über Themen zu sprechen, die mir am Herzen liegen, weil ich immer wieder das Gefühl kriege, mich bzw. meine Gedanken nicht gut genug erklärt zu haben. Wenn ich emotional bin, werden meine Worte nicht unbedingt irrational, dafür aber schnell unsortiert, weil ich Probleme habe, meinen Formulierungen eine für jeden anderen nachvollziehbare Struktur zu geben oder Dinge vergesse, die mir dann später einfallen (ich bin auch schon 30).

Aber was soll’s. Ein Schreiber muss tun, was ein Schreiber tun muss. LET’S GO.

Das Thema, was mich zurzeit extrem belastet, ist das Thema Impfung. Ich bin persönlich – Stand jetzt – nicht geimpft. Ich gehöre keiner fragwürdigen Glaubensgemeinschaft an, die sich Querdenker nennt, und halte es auch auf keinen Fall für einen Fehler, wenn sich jemand impfen lässt. Worin ich einen Fehler sehe, ist Menschen in Kategorien zu stecken, in welche sie nicht gehören, um eine komplexe Situation vereinfacht darzustellen. In meinem privaten Umfeld sind schätzungsweise die Hälfte der Leute geimpft. Der Grund, weshalb ich es nur schätzen kann, ist der, dass ich es nicht ganz genau weiß, weil es mich nicht interessiert. Und so handhaben es bei uns GOTT SEI DANK alle. Keiner redet dem anderen rein, weil es eine persönliche Entscheidung ist. Wenn ich mich entschließe, mich impfen zu lassen, dann tue ich das, um mich vor einem möglicherweise schweren Verlauf des Virus zu schützen. So wurde es mir bislang zumindest erklärt. Geimpfte können genau wie Ungeimpfte dieses Virus weiterhin übertragen. Ich als Ungeimpfter bin dann womöglich gefährdeter schwer zu erkranken, aber ich darf entscheiden, ob ich dieses potentielle Risiko tragen will oder nicht.

Ich habe absolut vollstes Verständnis für jeden Veranstalter, der sich für das 2G-Modell entscheidet, weil er überleben muss, da ihm dadurch gewisse Freiheiten eingeräumt werden, die er sonst nicht hätte. Ich verstehe jeden Gastronomiebetrieb, jedes Theater, jedes Kino. Sie müssen alle überleben. Was ich nicht verstehe, ist, wenn ein hessischer Supermarkt meint, solche Ansprüche anmelden zu dürfen, und Menschen das Recht auf Grundversorgung absprechen will. Zumal vermutlich niemand weniger unter dieser Pandemie zu leiden hatte als Supermärkte.

Vor einem halben Jahr wurde jeder Person, die von einer womöglich kommenden Impflicht sprach, der Vogel gezeigt. Jetzt haben wir keine generelle Impflicht, aber Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten (oder können), wird das Leben systematisch erschwert und sie werden an nahezu jeder Stelle ausgegrenzt. Im Übrigen haben sich viele dieser Menschen nicht einmal unbedingt GEGEN die Impfung entschieden, sondern vielleicht hier und da noch Zweifel und Sorgen. Es ist ja nicht so, als wären diese nicht mindestens teilweise angebracht. Mir haben Leute, die sich für die größten Demokratie-Befürworter halten, schon gesagt, dass sie dafür wären, die schätzungsweise 20% der Gesellschaft, die sich aktuell nicht impfen lassen möchten, zu zwingen dies zu tun. Wie kann es sein, dass Freundeskreise auseinanderreißen, weil die eine Seite wirklich glaubt, die andere wäre Schuld daran, dass wir noch nicht „back to normal“ sind? Wie kann es sein, dass Studentinnen und Studenten daran gehindert werden, ihrem Studium nachzugehen, indem auf tagesaktuelle Tests bestanden wird, die seit kurzem 20€ kosten? Wenn man auf diese Fragen nur antwortet mit „es ist ja jedem möglich, sich einfach impfen zu lassen und dann darf man ja alles“, verkennt man die wahre Problematik und behandelt das Thema auf der denkbar oberflächlichsten Ebene.

Es ist eine Sache, Regeln direkt zu akzeptieren, wenn sie aufgestellt werden. Es ist eine andere Sache, diese Regeln aber auch automatisch für gut und richtig zu befinden. Wie kann man als soziales Wesen (so bezeichnet man Menschen ja) wirklich davon überzeugt sein, dass es richtig wäre, jemanden nicht mehr am sozialen Leben teilhaben zu lassen, als eine Art Bestrafung dafür, dass er in gewissen Dingen anderer Auffassung ist? Wir reden hier über Leute, die niemanden gefährden außer womöglich sich selbst, und dafür stigmatisiert und gewissermaßen auch kriminalisiert werden. Und begründet wird dieser Vorgang mit fehlender Solidarität aufseiten der Ungeimpften.

Warum prangern so wenige an, dass ein Land wie England – bei einer geringeren Impfquote als wir sie aktuell haben – bereits vor Monaten seinen Freedom Day gefeiert hat, während wir hier fucking Weihnachtsmärkte nicht für jeden zugänglich machen? Wieso spricht kaum jemand über immer häufiger vorkommende Ausbrüche bei vollständig geimpften Personen?

Ich bin kein Wissenschaftler. Ich habe keine Ahnung. Ich verstehe nichts von Viren und Pandemien. Und auch, wenn es eigentlich niemanden etwas angeht, begründe ich hier mal, weshalb ich noch nicht geimpft bin. Nämlich, weil ich einfach kein gutes Bauchgefühl hatte bisher. Und das finden jetzt viele sicher bescheuert argumentiert und naiv, aber ich glaubte immer in einer Gesellschaft zu leben, in der es ausreicht, sich aufgrund des eigenen Gefühls für oder gegen Dinge zu entscheiden zu dürfen, ohne im Gegenzug verdächtigt zu werden. In einer Demokratie halt. Und jaaaaa, wir leben in keiner Diktatur und wir sind nicht China. Aber warum sollte man sich immer daran orientieren, wer es schlechter macht?

Wisst ihr, in den letzten Wochen wurde ich (ja, ICH!) von einem Event-Veranstalter indirekt als Freund rechter Propaganda bezeichnet, als ich ihm mitteilte, dass ich aktuell nicht geimpft sei. Ich wurde aus der Basketballhalle geworfen, weil es urplötzlich hieß, jeder bräuchte einen Impfnachweis, der zuvor nie gefordert wurde. Ich durfte in einem Café, als es begann in Strömen zu regnen, nicht für ein paar Minuten im Trockenen sitzen. Und ja, es war jeweils nicht die Schuld der Personen, die mir die Sachen mitteilten (außer beim Veranstalter, hoffentlich kriegt er Fußpilz). Aber diese Momente haben mich allesamt sehr getroffen und ich war zeitweise absolut frustriert und überfordert von dieser Welt und das obwohl ich so privilegiert bin, ein Umfeld zu haben, das mich toleriert und gelten lässt. Ich bin weich gebettet.

Ich mag mir nicht mal ausmalen, wie einsam sich gerade jemand fühlt, der ähnliche Gedanken hat wie ich und nicht auf die Unterstützung anderer zählen kann.

Ich vermisse die Bühne. Was widersprüchlich ist, weil ich ja eigentlich wieder auf einer stehen könnte. Aber ich will nur Teil von etwas sein, von dem jeder Teil sein darf.

Wir sind auf dem besten Wege dahin, eine gespaltete Gesellschaft zu werden. Zumindest scheint es mir so.

Hoffentlich war dieser Blog euch nicht zu negativ und melancholisch. Nächste Woche bin ich bestimmt besser drauf.

Bis dahin, vergesst mir nicht eure Addys zu schicken, yo!

P.S.: Übrigens bin ich jederzeit bereit dazu, mich mit Menschen, die einen anderen Blick auf die Situation haben, zu unterhalten. Also immer ran an den Speck!

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12.10.2021

Ich bin ein Schreiber. Also ich glaube, ich bin ein Schreiber.

Zumindest schreibe ich Songs seit vielen Jahren. Ich war 13, als ich meinen ersten Songtext schrieb. Das tat ich nicht allein, sondern mit einem guten Kindheitsfreund namens Yannik, der meine Familie und mich zum damaligen Zeitpunkt für einige Tage besuchte, denn Yannik war nicht aus Hamburg. Wir kannten uns vom Campingplatz am Lensterstrand in der Nähe von Grömitz. Zu viel Information, ich weiß. Shoutout an Yannik! Ich hoffe, dir geht’s gut, Diggi! Jedenfalls schrieben Yannik und ich abends diesen Songtext. „Baby, ich denk an dich. Egal, was ich tu. Ich denk an dich. Du lässt mir keine Ruh. Ich mein es Ernst. Verarsch dich nicht. Oh Baby, ich denk an dich.“ Geil, oder? Dachte hier jemand, Justin Bieber war der erste 13-Jährige, der über Liebe sang? PUSTEKUCHEN DIGGA! Das waren meine ersten Liedzeilen.

Heute schreibe ich noch immer Songs. Aber ich schreibe auch Spoken Words oder Poems oder Gedichte oder wie man sie auch immer nennen will. Mir gefällt Spoken Word am besten. Klingt so präzise. Ich spreche ja Worte. Mein erstes Spoken Word schrieb ich am 19. Oktober 2016, also vor fast genau 5 Jahren. Wieso ich den genauen Tag noch weiß? Weil es sich bei diesem Datum um den Tag vor dem bis dato wichtigsten Tag meines (musikalischen) Lebens handelte. Am 20. Oktober 2016 spielte ich mit meiner Band das Releasekonzert zu meiner damaligen EP „DREI“ im Stage Club in Hamburg. Wir hatten sehr lange und sehr viel geprobt für diesen Abend. Die Produktion der EP, das Organisieren des Konzerts und der CD-Pressungen (ja, ich hab fucking 1000 CDs pressen lassen zu einer Zeit, in der es Spotify schon gab und bunker‘ so um die 700 davon heute in meinem Keller) sowie das in die Wege leiten der rechtzeitigen Ankunft der größten norddeutschen Fehlinvestition seit Heiko Westermann – aka der CDs -, hatten mich einem Stresslevel nahegebracht, welches mir neu war. Die Ironie des Abends war schlussendlich die, dass sich gefühlt 90% des Feedbacks, das ich erhielt, gar nicht auf unser perfekt einstudiertes Liedrepertoire bezog. An diesem Abend performte ich nämlich zum allerersten Mal ein Spoken Word auf einer Bühne. Der Titel lautete „Sorgen“ und ich hatte diesen handgeschriebenen Text, den ich dem Publikum vorlas, keine 24 Stunden zuvor aufs Blatt gebracht. Es waren die MIT ABSTAND nervösesten Momente des Abends für mich. Und die besten. Der Applaus nach diesen ca. eineinhalb Minuten ist der bis heute vermutlich schönste und echteste, den ich je erhalten hab. Und trotzdem war es ja immer noch ein Konzert, wo die Musik im Vordergrund stehen sollte. Insofern fühlte ich mich von den Lobeshymnen über mein Spoken Word zwar geschmeichelt, aber irritiert war ich eben auch, weil fast keiner was zu den Songs sagte. Ich erinnere mich, wie meine gute Freundin Naomi nach dem Konzert zu mir kam und ebenfalls voll des Lobes über mein Spoken Word war. Also fragte ich sie auf ironische Art und Weise (aber ich meinte Ernst, Brudi), wieso alle nur was zu meinem Spoken Word sagen und sich fast niemand zu den Songs äußert. Ihre Antwort sollte vieles für mich und dadurch auch meine Kunst verändern (danke Naomi!). Sie sagte: „Weißt du. Dass du ein krasser Sänger bist, wussten ja alle. Aber, dass du so schreiben kannst. Wow.“ Das Prinzip der Selbst- und Fremdwahrnehmung. In meiner Wahrnehmung war ich immer ein Schreiber, der halt auch so ein bisschen singen kann. In den Augen anderer war ich ein Sänger, der halt seine Texte schreibt. Und mir wurde erst da so richtig klar, dass Spoken Words eine richtig gute Ergänzung zu meiner Musik sein können. Denn da gibt’s keinen Gesang und keine Instrumente, sondern nur Text und Inhalte. Spoken Words sind freier als Songtexte, weil sie keine Kompromisse eingehen müssen. Und ich gehe eh ungern Kompromisse ein. Erst recht nicht beim Schreiben.

Also ja, ich glaube, ich bin ein Schreiber. Ein „kreativer Schreiber“ vielleicht. Oder ist es anmaßend von mir, mich selbst als kreativ zu bezeichnen? Nee, nee. Hand aufs Herz. Ich bin schon ein bisschen kreativ. Glaube ich. Und weil ich das glaube, schreibe ich ab sofort einmal wöchentlich diesen Blog. Vielleicht entdecke ich dadurch ja wieder eine neue Art des Schreibens für mich, die mir bislang fremd war. Worum es gehen wird? I DON’T KNOW YET! Mal künstlerische, mal politisch-gesellschaftliche, mal sinnstiftende (wieder anmaßend), mal sinnfreie (bin wieder bodenständig) Themen.

Bis nächste Woche dann.

Daniel aka chiller-daniel@hotmail.de (MSN-Generation versteht)