Foto: Christopher Masch
Foto: Christopher Masch

„Deutscher Soul neu erfunden“. Das waren die Worte der Moderatorin eines lokalen Hamburger TV-Senders, als sie in einer im Jahr 2016 ausgestrahlten Episode ihrer Show versuchte, die Musik ihres Gastes zu beschreiben. Und ja, so könnte man den Sound, den Daniel Abozen kreiert, durchaus definieren.

Der Soul in den Songs ist unüberhörbar, Marvin Gaye und Stevie Wonder haben zweifelsohne ihre Spuren hinterlassen. Allerdings sind es speziell der sehr flowlastige Gesang und die silbenreichen Texte, die Daniels Faible für den R&B der 90er Jahre verraten.

Geboren im Juli 1991, wuchs der Sohn eines äthiopischen Vaters und einer deutschen Mutter im Norden der Republik – genauer gesagt in Hamburg – auf.

Trotz des klaren Ziels eines Tages beruflich Musik zu machen und der ersten selbstgeschrieben Texte im Alter von 13, machte er seine, wie er heute sagt, „ersten richtigen Schritte in der Musik“ erst als 18-Jähriger. Zu diesem Zeitpunkt trat er dem gemeinnützigen Verein für Musik und Tanz, „LuKuLuLe e.V.“, bei und lernte dort zunächst insbesondere im Chor die Bühnen Norddeutschlands kennen. Innerhalb von ca. drei Jahren spielte Daniel in zwei Musiktheaterstücken des Vereins eine Hauptrolle und schrieb den Großteil der dazugehörigen Songs mit. Die größte Bedeutung für seine musikalische Laufbahn hatte für ihn jedoch mit Sicherheit das Zusammentreffen mit Malte Kuhn, seinem heutigen Gitarristen und Co-Songwriter. Gemeinsam begannen sie Songs zu schreiben und bei kleineren Veranstaltungen aufzutreten.

2011 folgte dann die Vertragsunterschrift beim Hamburger Independent Label made in hamburg entertainment und die erste EP „Erste Schritte / First Step“ mit der Sängerin Binta.

Mit dem Gefühl soundtechnisch nicht das gemacht zu haben, wofür er unbedingt stehen will – nämlich urbane, deutschsprachige Musik mit Tiefgang und Groove – entschloss sich Daniel 2013 als mittlerweile wieder unabhängiger Künstler dazu, eine weitere EP namens „Selbstreflexion“ in Zusammenarbeit mit dem befreundeten Produzenten Nima Chizari zu machen.

Nach zwei Free-EPs und mittlerweile regelmäßigen Gigs mit fester Band im Rücken, war das nächste Vorhaben klar: eine Veröffentlichung, die auch wirklich verkauft werden soll. So entstand die dritte EP, die fast schon folgerichtig den Titel „DREI“ trug und Ende 2016 im Rahmen eines Releasekonzerts im renommierten Stage Club Hamburg erstmalig der Welt präsentiert wurde. Zwischenzeitlich sogar auf Platz 18 der Amazon Bestseller im Bereich Soul/R&B positioniert, darf „DREI“ als bislang größter Erfolg Daniels gewertet werden, auch wenn er selbst sagt, noch lange nicht dort zu sein, wo er hin will.

Seine Traumvorstellung für die Karriere beschreibt der selbsternannte „Afro-Hanseate“ folgendermaßen: „Ich möchte einfach, dass jeder Mensch, der für diese Art von Musik, die definitiv nicht dem Mainstream entspricht, empfänglich ist, von mir weiß. Wenn ich eines Tages regelmäßig in verschiedenen Städten Konzerte vor vielleicht 200 Leuten spielen könnte, hätte ich alles erreicht, was ich je wollte. Weil ich dann wüsste, diese Leute sind für mich und die Musik da und nicht für irgendeinen gehypten Radiohit, den sie nächstes Jahr wieder vergessen haben.“

Nicht nur ein Sänger, der den deutschen Soul „neu erfindet“, sondern allen voran ein authentischer Künstler, den man unbedingt im Auge behalten sollte.